Zum Inhalt springen
Sind Sie ein Hundeflüsterer, Ernst Giger?

Sind Sie ein Hundeflüsterer, Ernst Giger?

Ernst Giger beantwortet im Rendez-vous unsere – nicht unbedingt fachspezifischen – Fragen.

Erschienen in folgender Publikation:

Sind Sie ein Hundeflüsterer, Ernst Giger?
Ausgabe
Seite(n)
354–356

Name: Ernst Giger

Beruf/Position: Dr. iur., Fürsprecher, Steuerexperte, ehem. Titularprofessor für Unternehmenssteuerrecht an der Uni Bern, Konsulent bei G + S Treuhand AG, Bern

Familie: verheiratet, zur Familie gehören auch zwei Hunde

Hobbys: Hunde/Hundesport, Musik

Warum wurden Sie Jurist und im Besonderen Steuerrechtler? Was wären Sie sonst geworden?

Bereits während des «Gymer» zog es mich zu den Geisteswissenschaften hin und schon bald war mir klar, dass das Jus-Studium mein Ziel war und dabei das Anwaltspatent – oder in der bernischen Terminologie: das Fürsprecherpatent – im Fokus stand. Mir schwebte vor, den «Armen und Entrechteten» zu helfen …

Gegen Ende des Studiums erwachte – fast ein bisschen wider Erwarten – mein Interesse am Wirtschafts- und insbesondere am Steuerrecht. Nach dem Erwerb des Fürsprecherpatents bewarb ich mich an der Uni Bern als Assistent bei Prof. Peter Locher, wo mir u. a. die Durchführung des Repetitoriums im Steuerrecht – eine Veranstaltung, welche den Studierenden im Hinblick auf die Abschlussprüfungen, den «letzten Schliff» im Steuerrecht geben sollte – anvertraut wurde; eine Tätigkeit, die mir besonders Freude bereitete.

Was ich sonst geworden wäre, lässt sich schwer sagen. Zwar habe ich eine grosse Liebe zur Musik, doch hätten meine eher durchschnittlichen musikalischen Fähigkeiten kaum zu einer Musikerlaufbahn gereicht.

Haben Sie eine (geheime) Leidenschaft neben dem Steuerrecht?

Oh ja, Hunde! Zu unserer Familie gehörten immer ein oder zwei Hunde, in den letzten 30 Jahren waren es Hovawarte, also grosse Hunde. Natürlich war meine Freizeit während der Berufstätigkeit jahrelang an einem bescheidenen Ort und die Hunde wurden vor allem von meiner Frau Marianne «betreut».

Seit meinem (altersbedingten) Rückzug aus der aktiven Beratungstätigkeit hat sich natürlich auch meine «Freizeit-Situation» wesentlich verändert, was mir erlaubt, mich einlässlich mit meinem Hovawart-Rüden Lushan zu beschäftigen, während meine Frau sich der jüngeren Hündin Fenja widmet. Wir betreiben Hundesport (DogCross, Obedience, Mantrailing) und sind viel mit ihnen unterwegs, beim Spazieren, Wandern und Reisen. Unsere Hunde sind immer dabei …

Leben resp. lebten Sie für das Steuerrecht?

Wenn, dann habe ich für meine Klienten «gelebt», um für sie in steuerlicher Hinsicht sachgemässe und passende Lösungen zu finden. Dabei stand das Unternehmenssteuerrecht überwiegend im Fokus meiner Interessen. So durfte ich während meiner Beratungstätigkeit viele Umstrukturierungen und Nachfolgeregelungen begleiten. Es war mir wichtig, Lösungen zu finden und umzusetzen, welche auch gegenüber den Steuerbehörden offengelegt werden konnten, immer mit dem Ziel, zu diesen Lösungen stehen zu können, selbst wenn die Steuerbehörden in einzelnen Fällen zu einer anderen Beurteilung gelangten. In diesem Sinne galt es jeweils, für die Klienten das Optimum und nicht zwingend das Maximum herauszuholen. Ich denke, diese klare Haltung wurde sowohl von den Klienten wie auch von den (meisten) Vertretern der Steuerbehörden respektiert.

Was zeichnet einen erfolgreichen Steuerberater oder beratenden Steuerrechtler aus?

Authentisch sein und sich nicht für waghalsige Lösungen und Standpunkte verbiegen; wer glaubwürdig bleibt, erhält in aller Regel auch den Respekt des Gegenübers, selbst wenn dieses eine andere Position und andere Interessen vertritt. Diskussionen sachbezogen und auf Augenhöhe führen sowie seinem Gegenüber Respekt zollen, selbst wenn das nicht immer und in allen Fällen einfach ist. Und nicht zuletzt sollte man jedem Klienten das ehrliche Gefühl vermitteln, sein Anliegen werde ernst genommen, habe hohe Priorität und die favorisierte Lösung sei auch die Lösung, die man für sich selber wählen würde.

Welche drei Stichworte beschreiben Ihren Alltag?

Zu Berufszeiten: Termine, Besprechungen, Schreibarbeiten jeglicher Art, meine heutige Agenda hat «vier Pfoten und eine feuchte Nase»; heute ist mein Alltag zwar nicht ausschliesslich, aber doch weitgehend von unseren Hunden geprägt. Mir liegt viel daran, sie zu fördern und angemessen zu beschäftigen, damit sie nicht selber «auf dumme Gedanken» kommen …

Haben resp. hatten Sie auch mal die Nase voll von Ihrer Tätigkeit?

Nein, das hatte ich nie. Sich zwischendurch mal ob der «schieren Starrsinnigkeit» von Gesprächspartnern etwas zu ärgern gehörte sicherlich dazu; es spornte mich meistens an, auch meine eigenen Positionen zu hinterfragen, um für den Klienten in der Sache weiterzukommen.

Gibt es etwas, das Sie extrem nervt im Steuerbereich?

«Extrem nerven» ist etwas hoch gegriffen, aber gestört haben mich als Vertreter jene «Gespräche», bei denen man bald einmal gemerkt hat, dass sich das Gegenüber bereits von Anfang an seine Meinung gebildet hatte und sich gar nicht mehr auf andere Überlegungen und Argumente einlassen wollte, wenn ich also gewissermassen «gegen Windmühlen» zu argumentieren versuchte.

Was bringt Sie auf die Palme?

«Chronische» Unpünktlichkeit, alltägliche Unhöflichkeiten – oder dann halt Menschen, die ihrem Hund nicht die geschuldete Fürsorge zukommen lassen (so nach dem Motto: Der soll selber schauen …).

Haben Sie ein Vorbild/Vorbilder?

Im Rahmen der Nachfolgeregelungen, die ich betreuen durfte, habe ich auch «echte Patrons» kennengelernt, die nicht auf eine Gewinnmaximierung aus waren, sondern für die das Wohl des Unternehmens und dessen Fortführung durch die nächste Generation der leitenden Mitarbeitenden im Fokus standen. Dies selbst dann, wenn dadurch der Verkaufserlös fürs Unternehmen unter jenem lag, den ein Verkauf bspw. an einen grossen Konzern oder an einen potenten Konkurrenten gebracht hätte. Solche Persönlichkeiten haben mich beeindruckt, und als Vorbilder sicher auch etwas geprägt …

Welches Buch lesen Sie gerade?

Auf meinem Nachttisch liegt u. a. das Buch von Felix Klieser «Stell dir vor, es geht nicht, und einer tut es doch». Felix Klieser ist ein hochbegabter Hornist, der ohne Arme auf die Welt kam, sich aber trotzdem bereits mit 9 Jahren das Ziel setzte, der beste Hornist der Welt zu werden. Er lernte das Instrument, welches auf einen speziellen Ständer montiert wird, mit seinen Füssen zu spielen, indem er die Ventile des Horns mit den Zehen seines linken Fusses bedient – virtuos und souverän! Heute tritt er mit den renommiertesten Orchestern und Künstlern auf der ganzen Welt auf. Die Message von Felix Klieser ist «einfach»: Wenn Du einen Traum hast, lass ihn Dir durch niemanden ausreden, sondern verwirkliche ihn!

Wen möchten Sie unbedingt auf ein Feierabendbier treffen?

Zu einem guten Glas Wein würde ich mich aus aktuellem Anlass (siehe die Frage nach der Buchlektüre) gerne mit Felix Klieser, einer faszinierenden Persönlichkeit, zusammensetzen. Oder auch mit Bruce Springsteen, einem tollen und engagierten Musiker.

Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen (nicht mehr als drei Dinge)?

Unsere Hunde Lushan und Fenja. Und wen noch …? Ah ja, klar, meine Frau Marianne. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich wohl kein Steuergesetz mitnehmen würde …

Was macht Ihnen Angst?

Der Krieg in Europa, die erodierende Gewaltenteilung in den USA, das Negieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu den Ursachen der Klimaveränderung, das Erstarken von Autokratien, die Abkehr vom regelbasierten Zusammenleben zwischen den Staaten, hin zur reinen Machtpolitik, die zunehmende Schwächung der Demokratien, auch in Europa.

Aber wie Felix Klieser auch schreibt: «Keine Angst, kein Druck und kein Zwang dieser Welt kann es mit der Kraft eines Traums aufnehmen.» Und weiter: «Träume können eine schier unendliche Kraft in uns auslösen. Eine Kraft, die mit nichts zu vergleichen ist.» Lassen wir uns also den Traum nicht nehmen, dass sich alles auch zum Guten wenden kann.