
Am 21. November 2025 ist Stephan Stauber im Alter von 71 Jahren verstorben. Er war Bürger von Volketswil und Wetzikon im Kanton Zürich. Mit seinem Tod verliert die schweizerische Steuerwelt eine prägende Persönlichkeit und viele Menschen einen geschätzten Kollegen, Vorgesetzten und Freund.
Stephan Stauber, lic. iur., Jahrgang 1954, wuchs im Kanton Zürich auf, wo er auch die Schulen besuchte. Nach dem Studium an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich, das er 1982 abschloss, erwarb er 1990 das zürcherische Rechtsanwaltspatent. Bereits ab 1987 war er im Steuerbereich tätig und übernahm 1991 im Fasnachtsmonat Februar als Vorsteher die Leitung der Steuerverwaltung des Kantons Schwyz. Dieser stand er insgesamt zwölf Jahre vor. In diese Zeit fielen aus Schwyzer Sicht vor allem zwei wichtige Projekte. Sehr rasch initiierte und leitete Stephan Stauber den aus den fünf Zentralschweizer Kantonen Uri, Obwalden, Nidwalden, Glarus und Schwyz bestehenden Zusammenschluss zur Entwicklung einer neuen Steuerlösung. Diese Steuerlösung (NEST) konnte erstmals zur Bearbeitung der Steuererklärungen der Steuerperiode 1995/1996 (damals noch Pränumerandobesteuerung mit zweijähriger Vergangenheitsbemessung) eingesetzt werden und bedeutete für alle Steuerverwaltungen einen enormen Fortschritt. Der Gemeinschaft der NEST-Kantone stand er während vieler Jahre vor. Mittlerweile wird NEST von vierzehn kantonalen Steuerverwaltungen (später dazu gestossen sind noch: AI, AR, BL, BS, LU, SH, SO, TG und ZG) sowie zahlreichen Gemeinden genutzt. Nicht von geringerer Bedeutung war die aufgrund der Steuerharmonisierung per 1. Januar 2001 notwendig gewordene Totalrevision des Schwyzer Steuergesetzes. Auch hier trug er als Vorsteher der kantonalen Steuerverwaltung massgeblich zum Erfolg bei.
Eine weitere besonders prägende Phase seines beruflichen Wirkens begann am 1. April 2004, als Stephan Stauber die Leitung der Steuerverwaltung Basel-Stadt übernahm – eine Funktion, die er bis Ende Dezember 2018 mit grossem Engagement ausübte. In dieser Zeit gestaltete und prägte er die Entwicklung der Steuerverwaltung Basel-Stadt massgeblich. Mit seiner hohen Fachkompetenz, seinem strategischen Weitblick und seiner stets wertschätzenden Art hinterliess er bleibende Spuren. Auch nach seinem Ausscheiden blieb er vielen Kolleginnen und Kollegen in bester Erinnerung.
Unter seiner Leitung wurde mit dem Projekt RATIO ein bedeutender Meilenstein erreicht: die Einführung des Scannings und der papierlosen Veranlagung. Darüber hinaus engagierte sich Stephan Stauber weit über seine kantonalen Aufgaben hinaus in verschiedenen Gremien. Er war Mitglied des Vorstands der Schweizerischen Steuerkonferenz (SSK) und präsidierte die SSK-Kommission Logistik. In dieser Funktion war er verantwortlich für mehrere erfolgreiche Informatikprojekte von nationaler Bedeutung.
Auch nach seiner Pensionierung blieb Stephan Stauber dem Steuerrecht eng verbunden. Er war langjähriges Mitglied der Institutsleitung des Vereins ISIS und seit 2018 zusätzlich Mitglied des geschäftsleitenden Ausschusses. Als Finanzchef des Vereins kümmerte er sich mit grosser Sorgfalt und viel Verantwortungsbewusstsein um die finanziellen Belange des Vereins. Darüber hinaus war er in der Geschäftsleitung mit seiner grossen Erfahrung und seinem weitverzweigten Beziehungsnetz ein wertvoller Gesprächspartner und Türöffner bei diversen neuen Projekten.
Als Führungspersönlichkeit setzte Stephan Stauber auf Vertrauen. Er liess seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewusst viel Freiraum, führte mit «langer Leine» und ohne Kontrollzwang. Seine Wertschätzung war spürbar und echt – eine Eigenschaft, die ihn bei den Menschen besonders beliebt machte.
Auch menschlich wird er vielen in lebhafter Erinnerung bleiben. Er schätzte Anlässe mit vielen Menschen, genoss den Austausch und war oft einer derjenigen, die bis zum Schluss blieben und das gemeinsame Feiern auskosteten. Dabei durfte ein Gläschen Cognac nicht fehlen. Gesellige Stunden hat er auch als Säckelmeister bei der Zunft zur Saffran Zürich verbracht. Stephan Stauber hinterlässt eine grosse Lücke. Sein Wirken, seine Haltung und seine Menschlichkeit werden unvergessen bleiben. Unsere Gedanken sind bei seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden.
Dr. iur. Marc Enz, Rechtsanwalt, dipl. Steuerexperte, LL.M., Leiter Abteilung Recht und stv. Leiter der Steuerverwaltung Basel-Stadt mit freundlicher Unterstützung von Markus Beeler und Peter Mäusli
