
Name: Renato Belchior
Beruf/Position: Leiter Dienststelle Steuern, Kanton Luzern
Familie: drei Kinder im Alter von 17 bis 21 Jahren, 77 Nussbäume auf meinem Hof
Hobbys: wandern und Squash spielen, Psychologie, allerlei lesen und viele Podcasts hören, Trübeli-Konfi essen
Warum wurden Sie Steuerexperte? Was wären Sie sonst geworden?
Das Steuervirus hat mich in meiner Lehrzeit auf einem Steueramt infiziert und ich wurde es bis heute nicht mehr los. Eigentlich war meine Berufswahl Elektroniker. Beim Farbsehtest hat es nicht gereicht und dann gab es einen Bürogummi aus mir.
Leben Sie für das Steuerrecht?
Nein, aber es ist eine äusserst spannende Facette unter vielen anderen in meinem Leben.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Es gibt einige «schlaue» Gedanken, die mir helfen, über die Runden zu kommen. Ein ehemaliger Arbeitskollege hat mir vor langen Jahren Folgendes mitgegeben: «Measure twice, cut once.»
Great advice!
Haben Sie eine (geheime) Leidenschaft (neben dem Steuerrecht)?
Ich spiele Squash. Und mit einem guten Freund mache ich einen Medien-Podcast.
Was ist die Mission des Podcasts? Und verraten Sie uns, wo man diesen findet?
Der Podcast dient a.) der Freundschaftspflege, b.) der Lust am Durchmampfen von allerlei Medienfutter (wobei wir wirklich Allesfresser sind) und c.) dem Erreichen von maximaler Reichweite im deutschsprachigen Raum. Der Fokus liegt aber eindeutig bei a.) und b.). Immer am ersten Mittwoch im Monat hört man uns um 18.00 Uhr auf kanalK im Radio als MedienMampf und dann überall, wo es Podcast gibt (u. a. auch auf Spotify).
Was war Ihr Berufswunsch als Kind – und warum ist nichts daraus geworden?
Ich wollte als kleiner Junge «Holzschnitzer» werden. Dass das etwas brotlos sein kann, habe ich dann in der Oberstufe bei der Berufswahl erkannt. Aber Holz fasziniert mich noch immer.
Sie besitzen 77 Nussbäume, das ist wohl kein Zufall. Was machen Sie mit dem Ertrag? Ist das noch Hobby oder eher schon Gewerbsmässigkeit? 😉
Die Pflanzung von 77 Nussbäumen auf einer verpachteten landwirtschaftlichen Parzelle des Privatvermögens wirft steuerliche Fragen auf. Die Erfassung der Erträge wie Direktzahlungen, Nuss- und später Wertholzertrag und der Kosten ebenso. Muss ich den Eigenverzehr von Baumnüssen versteuern? Ab welcher Menge? Da ich keine Ahnung im Bereich der landwirtschaftlichen Besteuerung habe, verlasse ich mich bei der Beurteilung dieser Liebhaberei voll auf mein zuständiges Steueramt. 😉
Welche drei Stichworte beschreiben Ihren Alltag?
Frühaufsteher. Kaffeetrinker. Schreibtischtäter.
Was bringt Sie auf die Palme?
Langsame Menschen ohne Humor. Dann ärgere ich mich manchmal über mich selbst und lache dazu.
Wo liegt Ihr Sehnsuchtsziel?
In den Bergen. Lieber im Sommer als im Winter.
Wie sollte der Titel Ihrer Autobiografie lauten?
«Ich weiss, was Sie letztes Jahr verdient haben.» Im Ernst: Das braucht es nicht.
Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?
Der Klassiker: Ich bräuchte nur einen Wunsch. Wünschen würde ich mir dann unbegrenzte Wünsche. Der zweite Wunsch wäre, diesen Fragebogen hier per Du zu führen. Vielleicht in der nächsten Ausgabe?
Welches Buch lesen Sie gerade?
Es ist ein Hörbuch. Hartmut Rosa ermutigt uns, die Spielräume zurückzuerobern. Lesens- bzw. hörenswert auch für alle regelversessenen Steuerexperten/-innen in der Beratung, der Verwaltung oder am Gericht.
Gibt es etwas, das Sie extrem nervt im Steuerbereich?
Inkonsistenz und Regelwahn. Überspitzter Formalismus und bürokratische Behördensprache. Das können wir doch besser!
Haben Sie Vorbilder?
Einige. Ich versuche, von den Besten zu lernen. Ich kann mich also auf kein einzelnes Vorbild beschränken.
Waren Sie gut in der Schule?
Ich hatte es meistens leicht – sagen wir es so.
Glauben Sie an eine höhere Macht?
Ja, definitiv.
Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Selbst geben?
Eliminieren kommt vor Delegieren. Lebe die Subtraktionsstrategie!
Was bringt Sie zum Lachen?
Selbstreflexion und Botschaften zwischen den Zeilen.
Haben Sie schon einmal so richtig Glück gehabt? Was ist passiert?
Eigentlich jeden Tag. Meistens merke ich es gar nicht – geht es uns nicht allen so? Unsere Aufmerksamkeit liegt oft eher bei den unglücklichen Aspekten, die uns widerfahren. Dabei könnten wir für das tägliche Glück dankbar sein. (Natürlich nur so lange wie unser Glück nicht besteuert wird.1)
Würden Sie Glück besteuern wollen resp. teilen Sie die Ansicht, dass auch die «Verdientheit» des Einkommens über die Höhe der Besteuerung entscheiden müsste?
Diese Diskussion lässt sich nicht auf wenigen Zeilen führen. Aber ja, die «Verdientheit» des Einkommens sollte über die Höhe der Besteuerung entscheiden. Womit wir vortrefflich über DBG 16 III oder über Erbschaftssteuern reden könnten.
Worüber haben Sie Ihre Meinung radikal geändert und warum?
Im Steuerbereich: zur Individualbesteuerung. Wer mehr wissen will, fragt mich gerne beim nächsten persönlichen Kontakt.
Wollen Sie uns das nicht verraten?
Etwas Spannung muss bleiben. So bleibt man interessant.
Was macht Ihnen Angst?
Bürokratie. Als Massnahme zur Reduktion meiner Angst verfolge ich seit über zwanzig Jahren eine strikte Expositions-Therapie in der Steuerbehörde. Und ich versuche, gegen die Windmühlen anzukämpfen, damit auch meine Mitmenschen davor weniger Angst haben müssen.
Fussnoten
Vgl. den Beitrag von PETER HONGLER, Die Besteuerung von Glück, FStR 2021, 330 ff. (Anm. der Redaktion)
