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Worüber haben Sie Ihre Meinung radikal geändert, Bruno Knüsel?

Worüber haben Sie Ihre Meinung radikal geändert, Bruno Knüsel?

Im Rendez-vous spricht Bruno Knüsel über mehr als nur Fachliches und beantwortet unsere Fragen.

Erschienen in folgender Publikation:

Worüber haben Sie Ihre Meinung radikal geändert, Bruno Knüsel?
Ausgabe
Seite(n)
442–444

Name: Bruno Knüsel

Beruf/Position: ehem. Steuerverwalter des Kantons Bern und Präsident der SSK

Warum wurden Sie Steuerverwalter? Was wären Sie sonst geworden?

Eine Reihe glücklicher Umstände hat mich schliesslich zum Steuerverwalter gemacht. Sonst wäre ich wahrscheinlich als Jurist in einem Verwaltungsjob gelandet.

Leben Sie für das Steuerrecht?

Ich habe fast mein ganzes Berufsleben im Steuerrecht verbracht, also lebte ich jahrelang weitgehend für das Steuerrecht.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Wer nichts wagt, gewinnt nichts.

Haben Sie eine (geheime) Leidenschaft (neben dem Steuerrecht)?

Geheimnisse gehören nicht in diesen Text, sonst wären sie nicht geheim.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind – und warum ist nichts daraus geworden?

Ich hatte keinen eigentlichen Berufswunsch, sondern wollte einfach etwas Spannendes machen, von dem man auch leben kann.

Welche drei Stichworte beschreiben Ihren Alltag?

Mein heutiger Alltag ist der eines Rentners mit vielen Sozialkontakten, aber auch immer noch das Verfolgen der Steuerwelt.

Was bringt Sie auf die Palme?

Unzuverlässigkeit und Verlogenheit.

Wo liegt Ihr Sehnsuchtsziel?

Ich habe viel gesehen in meinem Leben und habe jetzt eigentlich keine Sehnsuchtsziele mehr.

Was macht einen erfolgreichen Steuerverwalter aus?

Gutes Fachwissen und das Gespür für Menschen sowie Fairness gegenüber den geschäftlichen Partnern, natürlich neben dem Verständnis für die politischen Rahmenbedingungen, die ja eben nicht der Steuerverwalter setzen kann.

Was tun Sie, seit Sie den Job als Steuerverwalter an den Nagel gehängt haben?

Als Rentner hat man ja nur noch Freizeit. Ich spiele Tennis und betreue im Club die Finanzen. Ich gehe regelmässig auf Wanderungen an Orte, die ich noch nicht kenne, sowie mindestens einmal im Jahr auf eine Stadtwanderung in eine europäische Stadt, wo wir nicht den Hotspots nachlaufen, sondern die Stadt zu Fuss erkunden. Im Winterhalbjahr verbringe ich viel Zeit mit der Vorbereitung der nächsten Fasnacht in Luzern, wo ich auch nach über 50 Jahren immer noch aktiv dabei bin.

Was bedeutet Ihnen Luzern und die Fasnacht im Speziellen?

Ich habe an der Kanti in Luzern als Gymnasiast 1979 meine erste Guuggenmusig gegründet und dann 1975 die heute noch bestehende Chäppeler-Guuggenmusig, bei der ich weiterhin aktiv mitmache.

Wenn Ihr Leben verfilmt würde, welcher Schauspieler bekäme die Hauptrolle?

Robert de Niro oder Sean Connery.

Wen möchten Sie unbedingt auf ein Feierabendbier treffen?

Die neue Ordinaria für Steuerrecht in Bern, Andrea Opel. (Anm. der Redaktion: Sie trinkt Bier nur im Oktober.)

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das?

Eine friedlichere Welt, weiterhin neugierig bleiben können und die dazu nötige Gesundheit.

Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen (nicht mehr als drei Dinge)?

Da würde ich gar nicht hingehen, das wäre mir zu langweilig

Welches Buch lesen Sie gerade?

Die Biografie über Frank A. Meyer als interessanten Zeitzeugen der letzten fünfzig Jahre.

Gibt es etwas, das Sie extrem nervt im Steuerbereich?

Seit Jahrzehnten spricht man davon, dass das Steuerrecht vereinfacht werden sollte. Dann wird bei jeder Revision alles komplizierter mit neuen Abzügen und neuen Abgrenzungsfragen, weil alle nur für sich und ihre Wähler schauen, ohne Sicht auf das Ganze.

Sie wurden auch schon als «Vater der elektronischen Steuererklärung» betitelt. Was sagen Sie zur Einführung der Individualbesteuerung (Abstimmung vom 8. März) – macht sie die Steuerwelt komplizierter?

Danke für die Blumen! Die Individualbesteuerung bringt vorerst den Kantonen grossen Aufwand in der Gesetzgebung mit all den Diskussionen um neue Tarife. Nachher wird es vor allem in einer Übergangszeit schwierig mit der Ausbildung und der Kommunikation mit den Steuerpflichtigen, damit beide Seiten wissen, wie das jetzt wirklich gehen soll. Auch die technische Umsetzung der neuen Situation bezüglich der Daten wird aufwendig, können doch nicht einfach die heute vorhandenen Vorjahresdaten zum Vergleich herangezogen werden. Erfahrungsgemäss dürfte sich das dann nach ein paar Jahren einspielen.

Haben Sie konkrete Vorschläge zur Vereinfachung des Steuerrechts?

Wenn man ein heutiges Steuergesetz liest, wird schnell klar, dass die grösste Vereinfachung wäre, die Vielzahl von Abzügen radikal zu reduzieren und dafür die Tarife zu senken. Die Abzüge sind aber immer das Resultat politischer Diskussionen, bei denen alle versuchen, für ihre Klientel etwas herauszuholen. Insgesamt bringen sie aber nichts für das Ganze.

Haben Sie ein Vorbild?

Meinen ersten Chef in der ESTV, Fritz Banderet, Leiter der Rechtsabteilung, ein sehr guter Jurist, Menschenfreund und Pragmatiker.

Waren Sie gut in der Schule?

Ich hatte immer genug Reserven, um voranzukommen

Glauben Sie an eine höhere Macht?

Im Moment, mit allen Krisen auf der ganzen Welt, fällt mir das schwer.

Welchen Rat würden Sie Ihrem jüngeren Selbst geben?

Glaube an Dich und Deine Fähigkeiten und versuch, daraus etwas zu machen.

Was bringt Sie zum Lachen?

Kleine Kinder, wenn sie die Erwachsenen nachmachen, oder eine gute Schnitzelbank an der Fasnacht.

In Luzern gibt es die Gruppe «Urbi et Orbi». Das sind drei wirkliche Pfarrer, die sprachlich hervorragend auftreten und auch sich selber und ihren Arbeitgeber auf die Schippe nehmen, ohne peinlich zu wirken.

Haben Sie schon einmal so richtig Glück gehabt? Was ist passiert?

Ja, ich hatte einen Unfall, bei dem ich beinahe erfroren bin. Glücklicherweise hörte jemand meine Hilferufe noch rechtzeitig.

Worüber haben Sie Ihre Meinung radikal geändert und warum?

Ich war früher optimistischer in der Beurteilung der Politik, nicht nur im Steuerecht. Die Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass wirklich immer mehr Ideologie um sich greift, als der Blick aufs Ganze. Die Folge ist eine gewisse Resignation, die eigentlich nicht zu mir als einem Optimisten passt.

Was macht Ihnen Angst?

Die aktuelle Weltlage, vor allem nach den neusten Entwicklungen im Nahen Osten.