Das Steuerrecht auf einen Blick

MWST - Vorsteuerkürzung

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Von Graffenried AG Treuhand

Per 1. Juli 2019 wird die Praxis zur Berechnung der abziehbaren Vorsteuer bzw. der Vorsteuerkürzung im Zusammenhang mit Nichtentgelten wie Subventionen und dergleichen angepasst. Durch die zusätzliche Berücksichtigung der Spenden im massgebenden Umsatz wird der Kürzungsschlüssel kleiner, folglich kann mehr Vorsteuer geltend gemacht werden. Diese Änderung der Bezugsgrössen kann grundsätzlich rückwirkend innerhalb der Verjährungsfrist (5 Jahre) angewendet werden.

Die auf den ersten Blick unspektakuläre Praxisänderung finden Sie in der MWST-Info 05 Subventionen und Spen-den Ziffer 2.1.2. Mittels der Möglichkeit «Historie der Ziffer anzeigen» kann die neue Version 3.0 gültig per 1.7.2019 angezeigt werden. Alternativ kann mittels der Anzeige Chronologie das Datum eingegeben und danach die gewünschte MWST-Info ausgewählt werden.

Ein zweiter Blick auf die Praxisänderung lohnt sich durchaus, denn etliche Steuerpflichtige können davon profitieren, wie wir Ihnen nachfolgend aufzeigen.

Grundlagen

Gemäss Art. 33 MWSTG muss beim Erhalt von Subventionen eine Kürzung der Vorsteuer vorgenommen werden.
Ist die neue festgelegte Praxis günstiger für die steuerpflichtige Person, kann sie die durch die neue (günstigere) Praxis entstehenden Steueransprüche der ESTV gegenüber geltend machen. Sie hat diese Ansprüche der ESTV mit einer Korrekturabrechnung mitzuteilen. Die ESTV richtet keinen Vergütungszins aus (MWST-Info 20 Ziffer 2.2.2).

Auswirkungen der Praxisänderung

Nachfolgendes Beispiel zu einer Nonprofit-Organisation, welche Subventionen zur Deckung ihres Betriebsdefizites erhält, veranschaulicht die sich aus der Praxisänderung der Berechnungsgrundlage ergebenden Folgen. Der steuerbare Umsatz beträgt CHF 300‘000, die Subventionen CHF 100‘000 und die Einnahmen aus Spenden CHF 400‘000.

Praxis bisher

Die Einnahmen aus Spenden haben keinen Einfluss auf die abzugsfähige Vorsteuer (Art. 33 Abs. 1 MWSTG). Dadurch resultiert bei unserem Beispiel eine Kürzung der angefallenen Vorsteuer von 25% bzw. eine Vorsteuerabzugsquote von 75%.
Die bisherige Praxis hat die steuerbaren Leistungen und die erhaltenen Subventionen zusammengefasst und davon den prozentualen Anteil der Subventionen berechnet. Wie eingangs erwähnt, wurden somit die Einnahmen aus Spenden für das Total der Berechnung für die Kürzung der Vorsteuer nicht berücksichtigt. Die erhaltenen Subventionen wurden somit nur ins Verhältnis zu den erbrachten Leistungen (Gegenleistung vorhanden) gesetzt.

Praxis bisher

Praxis neu

Die Einnahmen aus Spenden haben weiterhin keinen Einfluss auf die abzugsfähige Vorsteuer. Hingegen werden sie nun für die Berechnung der Vorsteuerkürzung als Basis berücksichtigt. Daraus ergibt sich in unserem Beispiel eine Kürzung der angefallenen Vorsteuer von 12.5% bzw. eine Vorsteuerabzugsquote von 87.5%. Dies bedeutet, dass mit den gleichen Umsätzen nach der neuen Praxis 12.5% mehr Vorsteuer geltend gemacht werden kann (87.5% anstelle von 75%).

Praxis neu

Fazit

Anhand unseres Zahlenbeispiels ist ersichtlich, dass durch die Anwendung der neuen Praxis mit der Berücksichtigung der Spenden der Kürzungsschlüssel kleiner wird bzw. mehr Vorsteuer geltend gemacht werden kann.
Es kann sich daher – sofern Subventionen erhalten wurden – lohnen, die Jahresrechnungen der letzten fünf Jahre nochmals zu konsultieren, die abziehbare Vorsteuer neu zu berechnen und bei der ESTV noch geltend zu machen.

1 Zur Deckung des Betriebsdefizites
2 Nicht-Entgelt gem. Art. 19 Abs. 2 Bst. d MWSTG



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