Das Steuerrecht auf einen Blick

MWST: Unterstützungsbeiträge für Weiterbildungen der Mitarbeitenden

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Von Graffenried AG Treuhand

Um vom Bund die Unterstützungsbeiträge für Weiterbildung im Bereich der eidg. Prüfungen zu erhalten, müssen die Rechnungen auf die Kursteilnehmenden lauten. Möchte ein Unternehmen seinen Mitarbeitenden einen Teil der Weiterbildungskosten finanzieren und via Spesen zurückzahlen, stellt sich die Frage, ob das Unternehmen – natürlich nur bei Belegen mit ausgewiesener MWST – trotzdem einen Vorsteuerabzug geltend machen kann.

Ausgangslage

Miriam Senn arbeitet als Sachbearbeiterin in der Finanzbuchhaltung der Treuhand AG. Sie besuchte bei der Weiterbildungs AG den Vorbereitungskurs für die Prüfung zur Fachfrau im Finanz- und Rechnungswesen mit eidg. Fachausweis. Die Kursgebühren wurden ihr jeweils mit MWST auf ihre Privatadresse in Rechnung gestellt. Da Miriam Senn ihr neu erlerntes Wissen direkt in der Praxis einsetzen kann, beteiligt sich die Treuhand AG an den Weiterbildungskosten zu 50%. Miriam Senn reicht 50% der ihr in Rechnung gestellten Kursgebühren via Spesen bei der Treuhand AG ein, welche ihr diese dann mit der Lohnauszahlung überweist.
Seit Januar 2018 werden Absolvierende von Kursen, die auf eine eidg. Prüfung vorbereiten, finanziell vom Bund unterstützt. Die Kursteilnehmenden können beim Bund einen Antrag für die Beiträge stellen. Dazu benötigen Sie die Rechnungen der von ihnen besuchten Kurse und die Bestätigung der Prüfungskommission, dass sie an der eidg. Prüfung teilgenommen haben.
Um vom Bund die Unterstützungsbeiträge zu erhalten, müssen die Rechnungen auf die Kursteilnehmenden (Privatperson) lauten. Ist die Rechnung auf ein Unternehmen ausgestellt, „verzichtet“ der Bund auf eine Subventionszahlung

Möchte ein Unternehmen seine Mitarbeitenden nun finanziell bei ihrer Weiterbildung unterstützen, ist es deshalb trotzdem sinnvoll, die Rechnungen der Kosten der Weiterbildung auf die mitarbeitende Person (Privatperson) ausstellen zu lassen. Nach Bezahlung der Rechnung kann die mitarbeitende Person via Spesen die Weiterbildungskosten von der Unternehmung wieder zurückfordern. Nimmt die mitarbeitende Person am Ende ihrer Weiterbildung an der eidg. Prüfung teil, kann sie danach vom Bund die Subvention anfordern (es ist nur die Prüfungsteilnahme, nicht aber der Prüfungserfolg vorausgesetzt).
Aus Sicht der Unternehmung ist diese Kostenübernahme als Aufwand zu verbuchen. Enthalten die Rechnungen der Weiterbildungsinstitution Mehrwertsteuer, möchte das Unternehmen nun auch einen Vorsteuerabzug geltend machen.

Mehrwertsteuerliche Betrachtungsweise

Grundsätzlich sind Bildungsleistungen von der Steuer ausgenommen (Art. 21 Abs. 2 Ziff. 11 MWSTG). Gemäss Art. 22 MWSTG ist eine freiwillige Versteuerung dieser Leistungen möglich. Dies hat für die leistungserbringende Person den Vorteil, dass sie auf ihren Aufwendungen den Vorsteuerabzug geltend machen kann. Auf dieser Grundlage hat die Weiterbildungs AG die Kursgebühren mit MWST in Rechnung gestellt.
Beim Empfang von Unterstützungsbeiträgen für eidg. Prüfungen handelt es sich gem. Art. 18 Abs. 2 Bst. a MWSTG um eine Subvention. Da Miriam Senn nicht als steuerpflichtige Person registriert ist und diese Einnahme auch nicht eine obligatorische Steuerpflicht auslöst (Art. 10 MWSTG), gibt es keine mehrwertsteuerlichen Folgen bei Miriam Senn.
Damit ein Vorsteuerabzug aus Sicht der leistungsempfangenden Person seine Berechtigung hat, müssen die Voraussetzungen gem. Art. 28 MWSTG erfüllt sein. Die Aufwendungen müssen im Rahmen der unternehmerischen Tätigkeit erfolgen (Art. 28 Abs. 1 MWSTG) und der Nachweis, dass die Vorsteuer bezahlt wurde, muss vorhanden sein (Art. 28 Abs. 3 MWSTG). Sind diese beiden Voraussetzungen erfüllt, kann die Unternehmung die Vorsteuer auf den ihr in Rechnung gestellten Aufwendungen im Rahmen ihrer unternehmerischen Tätigkeit in Abzug bringen.
Im vorliegenden Fall lautet die Rechnungsadresse nicht auf das Unternehmen, sondern auf eine mitarbeitende Person (Privatperson).
Es ist daher zu klären, ob die Rechnung aus Sicht der Treuhand AG unternehmerisch begründet werden kann. Gemäss Art. 81 Abs. 3 MWSTG gilt der Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Gestützt auf diesen kann auch eine Rechnung mit Rechnungsadresse des Mitarbeitenden als unternehmerisch gelten.

Fazit

Der ESTV ist die neue Abwicklung der Unterstützungsbeiträge für eidg. Prüfungen bekannt und sie hat dies bereits in den Praxisentwurf (Thema Lohnausweisempfänger, MWST-Info 08 Privatanteile) von Anfang November 2018 einfliessen lassen (Ob die Praxismitteilung der ESTV definitiv und unverändert eingeführt wird, wird sich zeigen). Dort ist erwähnt, dass der Vorsteuerabzug auf solchen Aufwendungen zulässig ist. Somit kann die Treuhand AG auf diesen Kostenübernahmen den Vorsteuerabzug auf den anteiligen Betrag geltend machen.
Falls es zu einer Nichteinhaltung der getroffenen Weiterbildungsvereinbarung kommt, wie zum Beispiel Abbruch der Weitebildung durch Miriam Senn, und es zu einer Rückzahlung der übernommenen Kosten von der mitarbeitenden Person an die Treuhand AG kommt, kann die Treuhand AG diese Einnahme mehrwertsteuerlich neutral behandeln (nicht steuerbar). Ebenfalls ist in diesen Fällen auch keine Korrektur des seinerzeit vorgenommenen Vorsteuerabzuges nötig.
Der durch Miriam Senn direkt erhaltene Bundesbeitrag für die höhere Berufsbildung (Subvention) hat keinen Einfluss bei der Kostenübernahme der Treuhand AG.



Von Graffenried AG Treuhand | www.graffenried.ch

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