Das Steuerrecht auf einen Blick

MWST – Digitalisierung

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Von Graffenried AG Treuhand

Seit Jahren ist die Digitalisierung im Vormarsch. Sie verändert unter anderem auch die Geschäftsmodelle, da viele Personen einen immer grösseren Teil ihres täglichen Bedarfes online beschaffen. Diese Entwicklung hat auch unser Kunde D. Muster erkannt und betreibt seit einiger Zeit erfolgreich eine Online-Handelsplattform. Diese Tätigkeit wird Dropshipping genannt.

Ausgangslage

Der Online-Händler D. Muster bietet in seinem Shop (Internet) ein Produkt an, ohne dieses Produkt selber an Lager zu haben. Bestellt ein Schweizer Kunde ein solches Produkt, versendet D. Muster das Produkt nicht selber, sondern bestellt dieses direkt beim inländischen Hersteller bzw. Händler (nachfolgend Hersteller), welcher das Produkt direkt zum Kunden schickt. D. Muster hat keinen physischen Kontakt zum Produkt.
Es sind drei Parteien an diesem Vertriebsmodell beteiligt:
- Der Kunde kauft ein Produkt im Online-Shop von D. Muster und weiß dabei nicht, wer der Hersteller ist, da er nur Kontakt mit D. Muster hat.
- D. Muster verwaltet den Online-Shop. Wenn er eine Bestellung erhält, kontaktiert er den Hersteller und schickt ihm die Details der Bestellung und des Kunden. Sein Erfolg bei dieser Transaktion ist die Differenz (Aufpreis) zwischen dem Betrag, den der Hersteller ihm für das Produkt berechnet und dem Betrag, den er seinem Kunden in Rechnung stellt.
- Der Hersteller verpackt die Ware und schickt sie auf direktem Wege an den Kunden. Auf der Verpackung findet sich (höchstens) ein Hinweis auf D. Muster und kein Hinweis auf den Hersteller. Der Hersteller erle-digt alle Formalitäten im Zusammenhang mit dem Versand und den Zoll- und Vertriebskosten.

Gesetzliche Grundlagen

Eine Leistung erbringt, wer nach aussen mit eigenem Namen auftritt. Sind allen Parteien bekannt und wird ein Hinweis auf der Rechnung angebracht, dass im Namen und auf Rechnung von jemand anderem gehandelt wird, so liegt eine Stellvertretung vor (Art. 20 MWSTG). Ist keine Stellvertretung gegeben, sind die Leistungen der nach aussen auftretenden Person zuzuordnen.

Werden Gegenstände versendet, so ist der für die Mehrwertsteuer massgebende Ort dort gelegen, wo sich der Gegenstand vor der Versendung befindet (Art. 7 MWSTG).

Obligatorisch steuerpflichtig wird ein Unternehmen gem. Art. 10 MWSTG durch Leistungen im In- und Ausland von CHF 100‘000.00 (exkl. MWST) pro Jahr, welche nicht von der Steuer ausgenommen sind. Der Beginn der Steuerpflicht richtet sich nach Art. 14 MWSTG.

Zum vorliegenden Fall

Davon ausgehend, dass D. Muster nach aussen mit seinem Namen auftritt und der Endkunde den Hersteller nicht kennt, sind die Leistungen D. Muster zuzuweisen.
Erbringt er weltweit Leistungen von CHF 100‘000.- pro Jahr, muss er sich bei der Eidg. Steuerverwaltung als Steuerpflichtiger registrieren lassen und auf den Lieferungen im Inland die Steuer abrechnen. Wählt er die Abrechnung nach der effektiven Methode, so kann er die ihm in Rechnung gestellte Steuer von den Aufwendungen und Investitionen als Vorsteuer in Abzug bringen.

Im vorliegenden Fall war D. Muster der Meinung, er sei nur „Vermittler“ der Ware und hat sich bei der ESTV irrtümlicherweise nicht angemeldet.
Aus Sicht der MWST liegt eine Vermittlung aber nur dann vor, wenn D. Muster nicht im eigenen Namen gegenüber dem Endkunden auftritt, sondern im Namen des Herstellers. Dies ist bei Dropshipping eben gerade normalerweise nicht der Fall.

Fazit

Obwohl die Steuerpflicht seit Jahren mit dem Auftritt nach Aussen fest verknüpft ist, sind sich nicht alle Unternehmer bewusst, welcher Umsatz ihnen angerechnet wird. Gerade bei den neuen Geschäftsformen wie Dropshipping oder bei Anbietern von Cloud-Lösungen muss besonders auf einen sauberen Auftritt geachtet werden.



Von Graffenried AG Treuhand | www.graffenried.ch

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