Das Steuerrecht auf einen Blick

«IFRS 16» im OR-Abschluss – steuerliche Implikationen?

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Stefanie Altermatt, KPMG Schweiz

Mit Einführung des neuen IFRS 16 («Leasingverhältnisse») für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen, stellt sich für Schweizer Unternehmen mitunter die Frage, ob die neuen IFRS-Regelungen auch für die Rechnungslegung nach OR angewendet werden können.

Diese Frage wird im «Schweizer Handbuch der Wirtschaftsprüfung» («HWP») insofern beantwortet, als dass klargestellt wird, dass es sich beim Entscheid, ob ein Leasinggut aktivierbar ist, um einen Ermessensentscheid handelt (1). Sollte folglich ein Schweizer Unternehmen zum Schluss kommen, dass die geleasten Vermögenswerte aktivierbar sind, können diese analog den Regelungen von IFRS 16 bilanziert und die zugehörige Leasingverbindlichkeit erfasst werden.

Vereinfachung des Tax Accountings

Entscheidet sich ein Unternehmen zur einheitlichen Bilanzierung der Leasingverhältnisse unter OR und IFRS hat dies unserer Ansicht nach eine Vereinfachung des entsprechenden Tax Accountings zur Folge, da es zu einer Angleichung der Steuerbilanz an die IFRS-Bilanz kommt. Durch die einheitliche Bilanzierung dürfte nicht länger eine temporäre Differenz resultieren und folglich wären auch keine latenten Steuern mehr zu berücksichtigen. Dies bedingt allerdings, dass die Verbuchungsweise aufgrund des Massgeblichkeitsprinzips auch steuerlich akzeptiert wird.

Sollte jedoch keine einheitliche Bilanzierung der Vermögensverhältnisse unter OR und IFRS erfolgen, resultieren durch die Anwendung von IFRS 16 per 1. Januar 2019 notwendige Anpassungen der latenten Steuern, die analog der Anpassungen von IFRS 16 verbucht werden.

Spannende Auslegungsfragen in Bezug auf die steuerlichen Implikationen

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass aufgrund des Massgeblichkeitsprinzips im Schweizer Steuersystem die Bilanzierung von Leasingverhältnissen analog den Regelungen von IFRS 16 auch steuerlich akzeptiert wird.

Da es bei der Umstellung der Bilanzierung im OR-Abschluss zu einer Bilanzverlängerung kommt, resultieren aus unserer Sicht primär im Bereich der interkantonalen Steuerausscheidung erhebliche Auslegungsfragen. Mögliche Fragen, die sich in diesem Bereich stellen, sind unter anderem:

  • Wird das neu aktivierte Leasinggut möglicherweise als Immobilie qualifiziert, welche einen Einfluss auf die interkantonale Steuerausscheidung haben könnte?
  • Werden aufgrund der neuen Bilanzierungsmethode gar neue Betriebsstätten in anderen Kantonen begründet?

Erste Indikationen von verschiedenen Kantonen lassen die Schlussfolgerung zu, dass diese möglichen Auswirkungen auf die interkantonale Ausscheidung noch nicht analysiert bzw. besprochen wurden. Unter anderem haben die Steuerbehörden auch noch nicht dazu Stellung genommen, ob für Steuerzwecke eine Nettobetrachtung von Leasinggut und –verbindlichkeit denkbar wäre.

Nächste Schritte

Es lässt sich feststellen, dass die Bilanzierung der Leasingverhältnisse im OR-Abschluss nach den Grundsätzen von IFRS 16 Vorteile und eine Vereinfachung für die Unternehmen im Bereich der latenten Steuern bringen dürfte. Weiterhin auslegungsbedürftig ist allerdings die steuerliche Behandlung durch die kantonalen Steuerverwaltungen, wobei die Umstellung insbesondere auf die interkantonale Ausscheidung einen wesentlichen Einfluss haben könnte.

Aufgrund dieser Unsicherheiten empfiehlt sich auf jeden Fall, die steuerliche Behandlung der Umstellung und den Einfluss auf die interkantonale Ausscheidung im Einzelfall mit den jeweiligen kantonalen Steuerverwaltungen vorgängig zu besprechen.

(1) Das relevante Entscheidungskriterium ist dabei die Einschätzung bezüglich Verfügungsmacht über den Vermögens-wert (vgl. auch HWP, Ausgabe 2014, Abschnitt IV.2.15.2.2, Seite 197).



KPMG Schweiz | www.kpmg.ch

Stefanie Altermatt
Senior Manager, Tax
+41 58 249 34 24
saltermatt@kpmg.com




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