Das Steuerrecht auf einen Blick

Ausländische Künstler, Musiker und Sportler im interkantonalen Steuerwettbewerb

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Dr. Roger M. Cadosch

Wenn ausländische Musiker in der Schweiz auftreten, oder sich professionelle Tennisspieler in Gstaad erfolgreich behaupten, freut sich auch der Fiskus. Diese Sportler, Künstler und auch Referenten werden für ihre Einkünfte an der Quelle besteuert. Bei der Analyse der kantonalen Steuergesetze zeigt sich, dass auch hier der kantonale Steuerwettbewerb spielt und die Steuerbelastung stark variiert. Mit dem Vorstoss im Kanton Bern nach einer höheren Besteuerung der ausländischen Sportler und Künstler dürfte auch eine Diskussion um den Kultur- und Veranstaltungsstandort geführt werden.

1. Steuerpflicht ausländischer Künstler und Sportler 1

Künstler und Sportler mit Ansässigkeit im Ausland, die in der Schweiz einer (selbstständigen oder unselbständigen) Erwerbstätigkeit nachgehen, sind aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit beschränkt steuerpflichtig2.

Die Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) der Schweiz mit dem Wohnsitzstaat des Künstlers oder Sportlers statuieren im Allgemeinen das Besteuerungsrecht des Tätigkeitsstaates. Dies bedeutet, dass der Besteuerungsanspruch der Schweiz durch das DBA vorbehalten bleibt3. Ob Künstler und Sportler im Arbeitsverhältnis oder selbstständigerwerbend tätig wird, ist in den meisten Fällen irrelevant; die steuerliche Anknüpfung greift für unselbständig wie selbständig erwerbstätige Personen.

Steuerbar sind die Nettoeinkünfte (z.B. Gagen, Preisgelder, Kost und Logis) für die Auftritte in der Schweiz, und es ist mindestens das in der Schweiz erzielte Einkommen zu versteuern4. Die Steuerverwaltung lässt den Abzug von Gewinnungskosten zu5.

Die Steuer wird an der Quelle, d.h. beim Auftrag- resp. Arbeitgeber oder Veranstalter erhoben. Diese haften solidarisch für die Entrichtung der Quellensteuer6.

2. Steuersätze von Bund und Kantonen

Der Bund erhebt auf den Einkünften eine Quellensteuer, die je nach Höhe der Tagessätze progressiv ausgestaltet ist7:

  • bei Tageseinkünften bis CHF 200  -->  0.8%
  • bei Tageseinkünften zwischen CHF 201 und 1‘000  -->  2.4%
  • bei Tageseinkünften zwischen CHF 1‘001 und 3‘000  -->  5%
  • bei Tageseinkünften ab CHF 3‘000  -->  7%

Der Quellensteuertarif der Kantone ist entweder linear oder (wie beim Bund) progressiv ausgestaltet.

Zehn Kantone wenden einen linearen Steuersatz an: AG, AI, BE, GL, GR, NW, OW, TG, UR, ZH. Die übrigen sechzehn Kantone haben progressiv ausgestaltete Steuersätze, die (mit Ausnahme des Kantons Genf, der eine zusätzliche Progressionsstufe aufweist) den auf die direkte Bundessteuer anwendbaren Tageseinkünften entsprechen: AR, BL, BS, FR, GE, JU, LU, NE, SG, SH, SO, SZ, TI, VD, VS, ZG. Eine Übersicht über die Maximalsteuersätze findet sich im Anhang.

Die tiefsten Höchststeuersätze für Tagessätze von über CHF 3‘000 bieten mit 17% die sechs Kantone AG, AI, BE, GL, OW und ZH. Die Kantone JU (32%), SH und TI (je 30%) finden sich am Schluss der Rangliste der Steuerbelastungen.

3. Wettbewerb unter Veranstaltungsorten

Die Städte buhlen um attraktive Musik- und Sportveranstaltungen, und bei der Wahl des Veranstaltungsortes beurteilt der Veranstalter auch die Steuerbelastung des Veranstaltungskantons für seine ausländischen Künstler. Oftmals vereinbaren die Künstler Nettogagen, d.h. die Steuerbelastung muss vom Veranstalter zusätzlich zur Künstlergage (und sonstigen Auslagen) getragen werden. Tiefe Quellensteuern begünstigen die Wahl eines Veranstaltungsortes, während hohe Quellensteuern ein Killerkriterium darstellen können. So hat zum Beispiel der Kanton Bern im Jahre 2008 die Quellensteuersätze an die Kantone Zürich und Aargau angeglichen, damit der Standort Bern für die Veranstalter von Grosskonzerten attraktiver wird. Auch andere Kantone (UR, SZ und TG) haben in jüngster Zeit die Tarife gesenkt.

Wie hoch die Steuerbelastung für ausländische Künstler und Sportler ausfallen soll ist letztlich eine steuerpolitische Frage. Kantone mit eher hohen Steuerbelastungen bei Einkommens- und Vermögenssteuern können sich durch mässige Quellensteuerbelastungen der ausländischen Künstler, Musiker und Sportler positionieren. Ein vielfältiges kulturelles und sportliches Angebot trägt schliesslich auch wesentlich zur Lebensqualität der Bürger bei.

Übersicht über die Quellenbesteuerung von Künstlern und Sportlern

Die Steuersätze beinhalten ebenfalls die direkte Bundessteuer.

'* Der Kanton Genf erhebt eine Quellensteuer (inkl. Direkte Bundessteuer) von 12% für Tageseinkünfte zwischen CHF 201 und 500 und 15% für Tageseinkünfte zwischen CHF 501 und 1‘000.


Autor

Roger M. Cadosch
Dr. Roger M. Cadosch, Rechtsanwalt, LL.M., ist Partner der Advokatur Grass Cadosch Lauper in Bern.
www.gcl-law.ch


1Die Steuerpflicht der Referenten wird in diesem Beitrag nicht weiter beschrieben, da bei Anwendung eines Doppelbesteuerungsabkommens (DBA) Besteuerungsgrundsätze gelten, die von der Besteuerung der Musiker, Künstler und Sportler abweichen.

2Art. 5 Abs. 1 lit. a DBG; Art. 4 Abs. 2 lit. a i.V. mit Art. 35 Abs. 1 lit. b StHG.

3Für weitere Hinweise sei verwiesen auf ROGER M. CADOSCH, Besteuerung von Sportlern im internationalen Verhältnis, in: Oliver Arter/Margareta Baddeley, Sport und Recht, Bern 2007, S. 297-341.

4Art. 6 Abs. 2 DBG (und Bestimmungen des entsprechenden kantonalen Steuergesetzes). Die Anknüpfung gilt nur für Einkünfte aus der persönlichen Tätigkeit am schweizerischen Arbeitsort (vgl. PETER LOCHER, Kommentar zum DBG, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, zwei Teile: Art. 1-48 sowie Art. 49-101, Therwil/Basel 2001/2004, N 17 zu DBG 5).

5Zum Beispiel in Form einer Pauschale von 20% der Bruttoeinkünfte oder auch die effektiven Kosten bei entsprechendem Nachweis (vgl. Art. 7 Abs. 3 Verordnung des EFD über die Quellensteuer bei der direkten Bundessteuer, SR 642.118.2).

6Art. 92 Abs. 4 (für den Veranstalter) sowie Art. 100 Abs. 2 DBG (für den Schuldner der steuerbaren Leistung); vgl. ebf. Art. 37 Abs. 1 StHG.

7Art. 92 Abs. 2 DBG.