{"id":4470,"date":"2020-08-25T14:34:06","date_gmt":"2020-08-25T12:34:06","guid":{"rendered":"https:\/\/steuerportal.ch\/?post_type=sht_proarticle&#038;p=4470"},"modified":"2020-10-07T13:30:46","modified_gmt":"2020-10-07T11:30:46","slug":"eine-fiskalische-kriminalgeschichte","status":"publish","type":"sht_proarticle","link":"https:\/\/steuerportal.ch\/fr\/articles-specialises\/eine-fiskalische-kriminalgeschichte\/","title":{"rendered":"Eine fiskalische Kriminalgeschichte"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-sht-infobox b-infobox\"><div class=\"b-infobox__inner\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">TATORT Verrechnungssteuer<\/h2>\n\n\n\n<p>Lesen Sie eine Kostprobe aus: <strong><a href=\"#Buchtipp\">TATORT Verrechnungssteuer &ndash; Fiskalgeschichten, die das Leben schrieb<\/a><\/strong>, erschienen 2019 im Cosmos Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/steuerportal.ch\/fachthemen\/tatort-verrechnungssteuer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Alle bei steuerportal.ch erschienenen Geschichten<\/a><\/p>\n<\/div><\/div><figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"730\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-730x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-4471\" srcset=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-730x1024.png 730w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-700x982.png 700w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-768x1077.png 768w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-1095x1536.png 1095w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-1460x2048.png 1460w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-1280x1795.png 1280w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-200x280.png 200w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-628x881.png 628w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/3_kriminalgeschichte_reingezeichnet-296x415.png 296w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/figure><h2 class=\"wp-block-heading\">Eine fiskalische Kriminalgeschichte<\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\">1.1 Die Geschichte<\/h3><p>Die T&auml;terin versteckt sich seit 2014 in der Bilanz der Tatort AG und hofft, nicht entdeckt zu werden. Eng dr&auml;ngt sie sich an die anderen Zahlen, mischt sich unauff&auml;llig darunter und rutscht unbemerkt in die tiefste und dunkelste Bilanzgliederung, um unsichtbar zu sein. Denn sie ist nicht wie die anderen Zahlen: Sie steht f&uuml;r eine geldwerte Leistung, f&uuml;r einen gesch&auml;ftsm&auml;ssig nicht begr&uuml;ndeten Aufwand. Sie weiss neben Herrn Schlaumeier, dem Alleinaktion&auml;r, alleinigen Verwaltungsrat und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer der Tatort AG, als Einzige, dass sie nicht f&uuml;r Reise- und Repr&auml;sentationsspesen steht, sondern f&uuml;r den grossz&uuml;gig-luxuri&ouml;sen All-inclusive-Sommerurlaub der Familie Schlaumeier. Aus diesem Grund versteckt sich die T&auml;terin vor Steuerinspektorinnen und Steuerinspektoren und dem schlechten Gewissen von Herrn Schlaumeier und<br>dessen gelegentlichen &ndash; &auml;usserst sinnvollen &ndash; Gedanken, die geldwerte Leistung bzw. die darauf geschuldete Verrechnungssteuer (und nat&uuml;rlich Gewinn- und Einkommenssteuern) zu deklarieren und gleichzeitig, weil eine Steuerhinterziehung im Sinne von Art. 61 Bst. a VStG vorliegen k&ouml;nnte, eine Selbstanzeige zu machen. Anfang 2019 platzt die fiskalische Bombe: Grelles Licht f&auml;llt in die dunkelsten Tiefen der Bilanz 2014 der Tatort AG, und die zappelnde geldwerte Leistung wird von einem Verrechnungssteuerinspektor in das grelle Tageslicht gezerrt.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">1.2 Die verrechnungssteuerliche Analyse<\/h3><h4 class=\"wp-block-heading\">1.2.1 Das Vorliegen einer geldwerten Leistung<\/h4><p>Gem&auml;ss Art. 4 Abs. 1 Bst. b VStG unterliegen Eigenkapitalr&uuml;ckzahlungen einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft und somit auch der Tatort AG als Ertr&auml;ge aus Beteiligungsrecht der Verrechnungssteuer, soweit es sich nicht um die R&uuml;ckzahlung von einbezahltem Nennwertkapital oder steuerlich anerkannten Kapitaleinlagereserven im Sinne von Art. 5 Abs. 1 bis VStG handelt. Darunter fallen auch sog. geldwerte Leistungen. Diese sind gem&auml;ss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wie folgt definiert: <\/p><ol class=\"wp-block-list\"><li>Eine Gesellschaft oder Genossenschaft wird infolge von Zuwendungen<br>an Beteiligungsrechtsinhaber oder diesen nahestehende Personen<br>entreichert, ihr wird also Eigenkapital entzogen.<\/li><li>Die auf das Beteiligungsverh&auml;ltnis zur&uuml;ckzuf&uuml;hrenden Zuwendungen<br>beruhen auf einem offensichtlichen Missverh&auml;ltnis zwischen Leistung<br>und Gegenleistung.<\/li><li>Demnach war die Beg&uuml;nstigung f&uuml;r die handelnden Organe erkennbar.<\/li><\/ol><p>Vorliegend wurden in der Tatort AG private Lebenshaltungskosten von Herrn Schlaumeier als Aufwand verbucht. Familienferien sind zwar verdient und erholsam, aber sie sind nun mal auf keine Weise gesch&auml;ftsm&auml;ssig begr&uuml;ndet. Es ist offensichtlich, dass die drei konstitutiven Kriterien f&uuml;r das Vorliegen einer geldwerten Leistung erf&uuml;llt worden sind. Somit ist die Verrechnungssteuer geschuldet.<\/p><h4 class=\"wp-block-heading\">1.2.2 Das Selbstdeklarationsprinzip<\/h4><p>Die Verrechnungssteuer ist eine Selbstdeklarationssteuer; ihre Erhebung erfolgt im Selbstveranlagungsverfahren. Anders als bei den direkten Steuern werden dem Steuerpflichtigen f&uuml;r die Verrechnungssteuer keine Deklarationsformulare und keine Veranlagungen zugestellt.<\/p><p><br>Art. 38 Abs. 2 VStG enth&auml;lt deshalb den Grundsatz, dass der Steuerpflichtige der ESTV bei F&auml;lligkeit der Verrechnungssteuer unaufgefordert die vorgeschriebene Abrechnung mit den Belegen einzureichen und gleichzeitig die Steuer zu entrichten oder die an ihre Stelle tretende Meldung zu erstatten hat. Der Steuerpflichtige hat folglich selber festzustellen, dass eine Steuerpflicht vorliegt, muss die Bemessungsbasis selber bestimmen und somit die Steuerforderung selber feststellen, muss sie mit dem entsprechenden Deklarationsformular der ESTV melden und den Betrag der nach seiner Feststellung geschuldeten Verrechnungssteuer fristgerecht bezahlen. Der gr&ouml;sste Teil der Verrechnungssteuer wird daher entrichtet, ohne dass die ESTV eine Veranlagungsverf&uuml;gung bzw. einen Entscheid erl&auml;sst. Der Steuerpflichtige hat zudem der ESTV &uuml;ber alle Tatsachen, die f&uuml;r die Steuerpflicht oder f&uuml;r die Steuerbemessung von Bedeutung sein k&ouml;nnten, nach bestem Wissen und Gewissen Auskunft zu erteilen. Gem&auml;ss dieser Auskunftspflicht hat er insbesondere Steuerabrechnungen, Steuererkl&auml;rungen und Fragebogen vollst&auml;ndig und genau auszuf&uuml;llen sowie seine Gesch&auml;ftsb&uuml;cher ordnungsgem&auml;ss zu f&uuml;hren und sie, die Belege sowie andere Urkunden auf Verlangen beizubringen.<\/p><h4 class=\"wp-block-heading\">1.2.3 Die &Uuml;berw&auml;lzungspflicht und die Aufrechnung ins Hundert<\/h4><p>Damit die Verrechnungssteuer ihren Sicherungszweck erf&uuml;llen kann, muss sie von Gesetzes wegen und somit obligatorisch vom Schuldner der steuerbaren Leistung auf den Leistungsempf&auml;nger &uuml;berw&auml;lzt werden. Dieser darf nur 65 Prozent der steuerbaren Leistung erhalten. Wird diese &Uuml;berw&auml;lzung nicht gemacht, was im vorliegenden Fall geschehen und bei geldwerten Leistungen naturgem&auml;ss die Regel ist, erfolgt eine sog. Aufrechnung ins Hundert: Die tats&auml;chliche Leistung wird als Nettoleistung von 65 Prozent betrachtet und durch die Rechnung (Tats&auml;chliche Leistung : 65) &#8729; 100 ins Hundert aufgerechnet. Darauf wird dann die Verrechnungssteuer von 35 Prozent berechnet. Bei einer Bruttoleistung von 100, welche ohne Verrechnungssteuerabzug aufgerichtet worden ist, ergibt sich somit eine aufgerechnete Bemessungsbasis wie folgt:<br>(100 : 65) &#8729; 100 = 154. Davon werden die 35 Prozent berechnet, was eine<br>Verrechnungssteuer von 54 ergibt. Diese Aufrechnung ins Hundert wird &uuml;brigens auch f&uuml;r die Einkommenssteuern nachvollzogen.<\/p><p>Der Vollst&auml;ndigkeit halber sei festgehalten, dass eine nachtr&auml;gliche &Uuml;berw&auml;lzung zul&auml;ssig und empfehlenswert ist. Ansonsten ist die Verrechnungssteuerlast &ndash; bei fehlender R&uuml;ckerstattung 54 Prozent der tats&auml;chlichen Leistung &ndash; die zus&auml;tzliche definitive Steuerlast. Zudem erh&ouml;hen<br>sich auch die Verzugszinsfolgen entsprechend. Entweder zahlt der Leistungsempf&auml;nger die Verrechnungssteuer zur&uuml;ck, oder &ndash; was in der Praxis oft die Regel ist &ndash; die &Uuml;berw&auml;lzung wird vereinfacht durch die Buchung &laquo;Debitor Leistungsempf&auml;nger f&uuml;r Verrechnungssteuer \/ Kreditor ESTV wegen Bezahlung Verrechnungssteuer: 35 Prozent&raquo; nachgeholt. Im konkreten Fall kann somit eine Verbuchung &uuml;ber das Aktion&auml;rskontokorrent erfolgen. Eine nachtr&auml;gliche Abschreibung des &laquo;Debitors Aktion&auml;rs&raquo; erscheint zwar als fantasievolle L&ouml;sung, stellt jedoch ihrerseits wieder eine verrechnungssteuerpflichtige geldwerte Leistung dar.<\/p><h4 class=\"wp-block-heading\">1.2.4 Das korrekte Vorgehen<\/h4><p>Angesichts der Ausgestaltung der Verrechnungssteuer als Selbstdeklarationssteuer h&auml;tte die Tatort AG die geldwerte Leistung und die geschuldete Verrechnungssteuer somit spontan 30 Tage nach der F&auml;lligkeit der geldwerten Leistung &ndash; dies kann vorliegend mit der Bezahlung der Ferienkosten gleichgesetzt werden &ndash; mit Formular 102 der ESTV deklarieren und die Steuer abliefern und auf den Leistungsempf&auml;nger, Herrn Schlaumeier, &uuml;berw&auml;lzen m&uuml;ssen.<\/p><h4 class=\"wp-block-heading\">1.2.5 Die Konsequenzen<\/h4><p>Die Verrechnungssteuer ist von ihrer Grundkonzeption her im Inlandverh&auml;ltnis<br>eine Sicherungssteuer. Sie wird dem steuerehrlichen inl&auml;ndischen Leistungsempf&auml;nger zur&uuml;ckerstattet, wenn dieser die Voraussetzungen von Art. 21 ff. VStG erf&uuml;llt. Eine Bedingung f&uuml;r die R&uuml;ckerstattung an nat&uuml;rliche inl&auml;ndische Personen ist, dass die steuerbare Leistung gem&auml;ss Art. 23 VStG ordnungsgem&auml;ss f&uuml;r die direkten Steuern deklariert worden ist. Vorliegend ist der R&uuml;ckerstattungsanspruch wegen Verstosses gegen die Deklarationsklausel von Art. 23 VStG verwirkt, weil davon ausgegangen werden muss, dass die Nicht-Deklaration nicht fahrl&auml;ssig, sondern vors&auml;tzlich erfolgt ist.<br><\/p><p>Die ESTV wird die geldwerte Leistung der zust&auml;ndigen kantonalen Steuerverwaltung melden, weshalb es sowohl bei den Gewinnsteuern auf Stufe der Tatort AG als auch bei den Einkommenssteuern auf Stufe von Herrn Schlaumeier zu einem entsprechenden Nachsteuerverfahren kommen wird. Zudem ist sowohl f&uuml;r die Verrechnungssteuer, die Gewinnsteuern als auch die Einkommenssteuern die Er&ouml;ffnung eines Strafverfahrens nicht ausgeschlossen. Verrechnungssteuerlich begeht eine Steuerhinterziehung im Sinne von Art. 61 Bst. a VStG, wer dem Bunde vors&auml;tzlich oder fahrl&auml;ssig, zum eigenen oder zum Vorteil eines anderen, Verrechnungssteuer vorenth&auml;lt, wobei ein vor&uuml;bergehendes Vorenthalten den Tatbestand bereits erf&uuml;llen kann. Das verrechnungssteuerliche Strafverfahren unterliegt den Regeln des VStrR<sup><a data-fnq id=\"fnq1\" href=\"#fn1\">1<\/a><\/sup>. Hier sind die folgenden Hinweise wichtig:<\/p><ul class=\"wp-block-list\"><li>Obwohl die Tatort AG verrechnungssteuerpflichtig ist, sind dennoch gem&auml;ss Art. 6 Abs. 1 VStrR diejenigen nat&uuml;rlichen Personen f&uuml;r eine Verrechnungssteuerhinterziehung strafbar, welche die Tat ver&uuml;bt haben, und nicht die steuerpflichtige juristische Person, konkret also die Tatort AG. Im Zentrum steht Herr Schlaumeier als Alleinaktion&auml;r, alleiniger Verwaltungsrat und Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer. Gem&auml;ss Art. 7 Abs. 1 VStrR wird davon nur abgewichen, wenn eine Busse von h&ouml;chstens 5&rsquo;000 CHF anf&auml;llt und die Ermittlung der nach Art. 6 VStrR strafbaren Personen Untersuchungsmassnahmen bedingt, die im Hinblick auf die verwirkte Strafe unverh&auml;ltnism&auml;ssig w&auml;ren. Diesfalls kann von einer Verfolgung der handelnden nat&uuml;rlichen Personen, vorliegend auf jeden Fall Herrn Schlaumeiers, Abstand genommen werden und an ihrer Stelle die juristische Person, also im konkreten Fall die Tatort AG, zur Bezahlung der Busse verurteilt werden.<\/li><\/ul><ul class=\"wp-block-list\"><li>Auch in Bezug auf ein Verrechnungssteuerdelikt besteht, wie bei den direkten Steuern, die M&ouml;glichkeit einer straflosen Selbstanzeige. Art. 13 VStrR h&auml;lt fest: Hat der T&auml;ter die Widerhandlung, die eine Leistungs- oder R&uuml;ckleistungspflicht begr&uuml;ndet, aus eigenem Antrieb angezeigt, hat er &uuml;berdies, soweit es ihm zumutbar war, &uuml;ber die Grundlagen der Leistungs- oder R&uuml;ckleistungspflicht vollst&auml;ndige und genaue Angaben gemacht, zur Abkl&auml;rung des Sachverhalts beigetragen und die Pflicht, wenn sie ihm obliegt, erf&uuml;llt, und hat er bisher noch nie wegen einer vors&auml;tzlichen Widerhandlung der gleichen Art Selbstanzeige ge&uuml;bt, so bleibt er straflos. Wichtig ist, dass die Anzeige im Namen des T&auml;ters oder der m&ouml;glichen T&auml;ter erfolgen muss. Es reicht nicht, dass die Tatort AG die geldwerte Leistung nachdeklariert und die Verrechnungssteuer abliefert. Eine straflose Selbstanzeige im Fall, dass eine Hinterziehung im Sinne von Art. 61 Bst. a VStG vorliegt, muss vorliegend zwingend von Herrn Schlaumeier als m&ouml;glichem T&auml;ter in seinem eigenen Namen eingereicht werden. Aufgrund der verlangten Spontanit&auml;t muss diese Selbstanzeige zusammen mit der Nachdeklaration der geldwerten Leistung durch die Tatort AG erfolgen; ansonsten kann der Vorwurf erhoben werden, dass die ESTV vor Vornahme der Selbstanzeige bereits Kenntnis von der Hinterziehung hatte und deshalb die Straflosigkeit verneint.<\/li><\/ul><ul class=\"wp-block-list\"><li>Schliesslich ist es wichtig, dass im Falle eines Verrechnungssteuerhinterziehungsverfahrens die Verj&auml;hrungsfrist f&uuml;r die Steuerforderung nicht f&uuml;nf Jahre betr&auml;gt, sondern sieben Jahre. Diese Frist berechnet sich nicht nach Kalenderjahren, sondern beginnt mit der Einreichung der entsprechenden Jahresrechnung zu laufen.<\/li><\/ul><h4 class=\"wp-block-heading\">1.2.6 Die Moral der Geschichte<\/h4><p>Die Verrechnungssteuer ist eine Selbstdeklarationssteuer. Wir alle sind uns aber ein direktsteuerliches Denken gew&ouml;hnt, d. h. wir gehen von der Zustellung der Steuererkl&auml;rung, einer festen (meistens dreimal verl&auml;ngerten) Einreichefrist und von zugestellten und kontrollierbaren Veranlagungen aus. F&uuml;r die Verrechnungssteuer ist es &ndash; wegen ihrer Ausgestaltung als Selbstdeklarationssteuer &ndash; gef&auml;hrlich, direktsteuerlich zu denken: Sie funktioniert komplett anders. Dies zeigt sich im objektiven Tatbestand einer Steuerhinterziehung: &laquo;Wer dem Bund Verrechnungssteuer vorenth&auml;lt!&raquo; Wobei hierf&uuml;r ein vor&uuml;bergehendes Vorenthalten bereits gen&uuml;gt. Objektiv, wegen dem Selbstdeklarationsprinzip, ist der Tatbestand einer Verrechnungssteuerhinterziehung somit grunds&auml;tzlich sofort erf&uuml;llt, wenn eine Verrechnungssteuer zu sp&auml;t deklariert und nicht bezahlt wird. Subjektiv reicht es, wenn das Vorenthalten fahrl&auml;ssig geschieht. Moral dieser Geschichte ist also, dass die Verrechnungssteuer eine eigenst&auml;ndige Steuer ist, welche nach ihren eigenen Regeln funktioniert, und dass es dem immer Rechnung zu tragen gilt.<\/p><div class=\"wp-block-sht-footnotes b-footnotes\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fussnoten<\/h2>\n\n\n\n<p id=\"fn1\" class=\"b-footnote\">Bundesgesetz vom 22. M&auml;rz 1972 &uuml;ber das Verwaltungsstrafrecht (SR 313.0)<\/p>\n<\/div><p>__________________________<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"Buchtipp\">Buchtipp<\/h2><p>Thomas Jaussi\/Thomas Schwab:<br><a href=\"https:\/\/www.cosmosverlag.ch\/fachmedien\/produkt\/tatort-verrechnungssteuer\/\">TATORT Verrechnungssteuer &ndash; Fiskalgeschichten, die das Leben schrieb<\/a><\/p><figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Cover-Tatort-Verrechnungssteuer-web-724x1024.jpg\" alt=\"Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Cover-Tatort-Verrechnungssteuer-web-724x1024.jpg\" width=\"181\" height=\"256\"><figcaption>Cosmos Verlag. 2019, 128 Seiten, kartoniert, CHF 34.<em>&ndash;<\/em><\/figcaption><\/figure><p><em>Mit Humor und sp&uuml;rbarer Leidenschaft f&uuml;r die Materie pr&auml;sentieren die beiden Autoren zehn &lsaquo;Fiskalgeschichten, die das Leben schrieb&rsaquo;. Die unterhaltsamen Schilderungen tats&auml;chlicher F&auml;lle aus dem Alltag eines Steuerberaters zeigen Stolpersteine und weitreichende Konsequenzen der Verrechnungssteuer schonungslos auf. Durch Unwissenheit, Gutgl&auml;ubigkeit oder mit krimineller Energie verstricken sich die Protagonisten in ihren ganz eigenen Steueraff&auml;ren. Fundierte steuerliche Analysen er&ouml;rtern am Ende jedes Kapitels den jeweiligen Fall und verleihen diesem aussergew&ouml;hnlichen Buch neben Lesefreude auch fachliche Tiefe.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grelles Licht f\u00e4llt in die dunkelsten Tiefen der Bilanz 2014 der Tatort AG, und eine zappelnde geldwerte Leistung wird von einem Verrechnungssteuerinspektor in das grelle Tageslicht gezerrt.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"template":"","meta":{"_acf_changed":false,"authors":[{"ID":528,"display_name":"Thomas Jaussi","first_name":"Thomas","last_name":"Jaussi","description":"<p>lic. iur., dipl. 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