{"id":3038,"date":"2020-03-25T19:32:47","date_gmt":"2020-03-25T18:32:47","guid":{"rendered":"https:\/\/steuerportal.ch\/?post_type=sht_proarticle&#038;p=3038"},"modified":"2020-06-02T15:52:34","modified_gmt":"2020-06-02T13:52:34","slug":"incoterms-2020-lieferbedingungen-im-kontext-von-global-trade-und-mehrwertsteuer-2","status":"publish","type":"sht_proarticle","link":"https:\/\/steuerportal.ch\/fr\/articles-specialises\/incoterms-2020-lieferbedingungen-im-kontext-von-global-trade-und-mehrwertsteuer-2\/","title":{"rendered":"Incoterms\u00ae 2020 \u2013 Lieferbedingungen im Kontext von Global Trade und Mehrwertsteuer"},"content":{"rendered":"<h3 class=\"wp-block-heading\">Teil&nbsp;2: International Commercial Terms (Incoterms) 2020 im Einzelnen<\/h3><p><strong><em>Die von der Internationalen Handelskammer<sup><a data-fnq id=\"fnq1\" href=\"#fn1\">1<\/a><\/sup> herausgegebenen Incoterms&reg; sind &uuml;berarbeitet worden und stehen in einer neuen Ausgabe zur Verf&uuml;gung<sup><a data-fnq id=\"fnq2\" href=\"#fn2\">2<\/a><\/sup>. Ein guter Anlass, sich &uuml;ber ihre Bedeutung, ihren genauen Inhalt und auch ihre Auswirkungen auf Zoll und Mehrwertsteuer einen &Uuml;berblick zu verschaffen. Im ersten Teil dieses Beitrags haben wir die Bedeutung von Incoterms&reg; aufgezeigt<sup><a data-fnq id=\"fnq3\" href=\"#fn3\">3<\/a><\/sup>. Im zweiten Teil des Beitrags wenden wir uns nun den Incoterms&reg; im Einzelnen zu. Dieser Beitrag soll einen &Uuml;berblick &uuml;ber die Klauseln und ihre Regelungspunkte bieten.<\/em><\/strong><\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">1 &Uuml;berblick &uuml;ber die Klauseln und ihre Struktur<\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\">Vier Gruppen, elf Klauseln                <\/h3><p>Zu den Incoterms&reg;&nbsp;2020 z&auml;hlen, wie es schon bei den Incoterms&reg;&nbsp;2010 der Fall war, elf Klauseln, die sich in vier Gruppen einteilen lassen<sup><a data-fnq id=\"fnq4\" href=\"#fn4\">4<\/a><\/sup>: Gruppe&nbsp;E, Gruppe&nbsp;F, Gruppe&nbsp;C und Gruppe&nbsp;D. Dabei verweist der Buchstabe auf den jeweils ersten Buchstaben der Klauseln. Jede Klausel wird mit einer aus drei Buchstaben bestehenden Kombination bezeichnet. Die erste Gruppe (Gruppe&nbsp;E) besteht nur aus einer Klausel.<\/p><p>Gegen&uuml;ber den Incoterms&reg;&nbsp;2010 hat sich an der Bezeichnung nur eine Ver&auml;nderung ergeben: Der bislang als DAT &ndash; &lsaquo;Delivered at Terminal&rsaquo; benannte Incoterm&reg; wurde umbenannt in DPU &ndash; &lsaquo;Delivered at Place Unloaded&rsaquo;<sup><a data-fnq id=\"fnq5\" href=\"#fn5\">5<\/a><\/sup>. Hier wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Bezeichnung &laquo;Terminal&raquo; zu Irritationen gef&uuml;hrt hat. DAT war im Jahr 2010 ein neuer Incoterm&reg; gewesen. Auch schon bei Einf&uuml;hrung des Incoterms&reg;&nbsp;DAT war klargestellt worden, dass der Begriff &laquo;Terminal&raquo; weit auszulegen sei<sup><a data-fnq id=\"fnq6\" href=\"#fn6\">6<\/a><\/sup>. Den dennoch entstandenen Unsicherheiten ist nunmehr durch Umbenennung des Incoterms&reg;&nbsp;DAT in DPU Rechnung getragen worden. <\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Teilung von Rechten und Pflichten zwischen Verk&auml;ufer und K&auml;ufer                <\/h3><p>Eine andere strukturelle Eigenheit wird durch die Nennung der Gruppen in der im Schaubild gezeigten Reihenfolge deutlich: Der Aufbau der Incoterms&reg;&nbsp;2020, beginnend mit der E-Gruppe &uuml;ber die F-, C- bis hin zur D-Gruppe, ist dabei so konzipiert, dass sich die Pflichten des Verk&auml;ufers von der geringsten Pflichtenstufe der E-Gruppe allm&auml;hlich immer st&auml;rker &ndash; bis zur D-Gruppe &ndash; steigern, w&auml;hrend umgekehrt die Pflichten des K&auml;ufers in der E-Gruppe besonders hoch und in der D-Gruppe sehr viel niedriger sind.<\/p><p>Die Gruppierung der Incoterms&reg;&nbsp;2020 in vier unterschiedlich gewichtete Abstufungen der Pflichten erm&ouml;glicht es den Anwendern dieser standardisierten Lieferbedingungen, schon auf den ersten Blick eine erste grobe Auswahl danach zu treffen, welche der Vertragsparteien durch welche Pflichtenlast besonders betroffen und welche Partei st&auml;rker geschont werden soll.<\/p><ul class=\"wp-block-list\"><li><strong><em>E-Gruppe<\/em><\/strong>: Hier sind die Pflichten des Verk&auml;ufers darauf beschr&auml;nkt, dass er die Ware am benannten Ort zur Abholung zur Verf&uuml;gung stellt<sup><a data-fnq id=\"fnq7\" href=\"#fn7\">7<\/a><\/sup>. Diese &laquo;<strong>Abholklausel<\/strong>&raquo; ist f&uuml;r ihn besonders vorteilhaft, weil im Rahmen der Gesch&auml;ftsabwicklung der Kosten- und Gefahr&uuml;bergang recht fr&uuml;h erfolgt.<\/li><li><strong><em>F-Gruppe<\/em><\/strong>: Als sog. &laquo;<strong>Versendungsklausel<\/strong>&raquo; ist auch diese Gruppe f&uuml;r den Verk&auml;ufer g&uuml;nstig, weil Kosten- und Gefahr&uuml;bergang noch recht nahe an seiner Sph&auml;re auf den K&auml;ufer &uuml;bergehen: Der Verk&auml;ufer braucht lediglich die Ware an einen vom K&auml;ufer beauftragten Frachtf&uuml;hrer zu &uuml;bergeben, um zu erreichen, dass Kosten- und Gefahr&uuml;bergang an den K&auml;ufer erfolgen<sup><a data-fnq id=\"fnq8\" href=\"#fn8\">8<\/a><\/sup>.<\/li><li><strong><em>C-Gruppe<\/em><\/strong>: Diese Gruppe geh&ouml;rt ebenfalls noch zu den Versendungsklauseln, ist aber auch die Gruppe der sog. &laquo;<strong>Zweipunktklauseln<\/strong>&raquo; (siehe sogleich), da der Kosten&uuml;bergang und der Gefahr&uuml;bergang zu unterschiedlichen Zeiten erfolgen. Zuerst muss der Verk&auml;ufer den Bef&ouml;rderungsvertrag auf seine Kosten                      abschliessen; der Gefahr&uuml;bergang erfolgt, sobald die Ware an den Frachtf&uuml;hrer &uuml;bergeben wurde<sup><a data-fnq id=\"fnq9\" href=\"#fn9\">9<\/a><\/sup>.  <\/li><li><strong><em>D-Gruppe<\/em><\/strong>: Hier verbleiben Kosten und Risiken aufseiten des Verk&auml;ufers, bis die Ware im benannten Bestimmungsland bzw. an einem benannten Bestimmungsort eintrifft<sup><a data-fnq id=\"fnq10\" href=\"#fn10\">10<\/a><\/sup>. D-Klauseln nennt man daher auch &laquo;<strong>Ankunftsklauseln<\/strong>&raquo;. <\/li><\/ul><figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"334\" src=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1-1024x334.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3039\" srcset=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1-1024x334.png 1024w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1-700x229.png 700w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1-768x251.png 768w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1-628x205.png 628w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1-296x97.png 296w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-1.png 1063w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><h3 class=\"wp-block-heading\">Einpunktklauseln und Zweipunktklauseln                <\/h3><p>Das Anwachsen von Pflichten des Verk&auml;ufers bei gleichzeitiger Verringerung der Pflichten des K&auml;ufers von Gruppe&nbsp;E zu Gruppe&nbsp;D zeigt sich insbesondere bei den Gruppen&nbsp;F und C.  Die beiden wichtigsten Regelungspunkte der Incoterms&reg;, Gefahrtragung und Kostentragung, kippen hier bzw. teilen sich auf. W&auml;hrend in den Gruppen&nbsp;E und F die Gefahr- und Kostentragung beim K&auml;ufer ist und bei den Klauseln der Gruppe&nbsp;D diese beiden &laquo;Hauptpflichten&raquo; beim Verk&auml;ufer liegen, spalten sich diese beiden Pflichten bei den Klauseln der Gruppe&nbsp;C auf zwischen Verk&auml;ufer und K&auml;ufer. Daher nennt man die Klauseln dieser Gruppe auch &lsaquo;Zweipunktklauseln&rsaquo;<sup><a data-fnq id=\"fnq11\" href=\"#fn11\">11<\/a><\/sup>. Die Kostentragung ist zum Verk&auml;ufer &uuml;bergegangen, w&auml;hrend die Gefahrtragung noch beim K&auml;ufer verbleibt (dazu mehr bei den Regelungspunkten).<\/p><figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"286\" src=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2-1024x286.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3040\" srcset=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2-1024x286.png 1024w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2-700x196.png 700w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2-768x215.png 768w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2-628x175.png 628w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2-296x83.png 296w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-2.png 1217w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><h3 class=\"wp-block-heading\">Unterteilung nach Bef&ouml;rderungsmitteln                <\/h3><p>Eine Besonderheit bilden schliesslich die Klauseln FAS, FOB, CFR und CIF, die ausschliesslich f&uuml;r den Seeverkehr gedacht sind, w&auml;hrend alle anderen Klauseln grunds&auml;tzlich f&uuml;r alle Bef&ouml;rderungsmittel verwendet werden k&ouml;nnen. H&auml;ufig wird dies in der Praxis nicht ber&uuml;cksichtigt. Auch hier gilt wieder: solange alle das Gleiche meinen, gibt es kein Problem mit einer Bezeichnung wie zum Beispiel &laquo;FOB&nbsp;Z&uuml;rich&raquo;.<\/p><p>Es ergibt sich also folgendes Bild, das als Grundlage f&uuml;r die Orientierung bei der\n                  Auswahl von Incoterms&reg; dienen kann:<\/p><figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"282\" src=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3-1024x282.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3041\" srcset=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3-1024x282.png 1024w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3-700x193.png 700w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3-768x212.png 768w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3-628x173.png 628w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3-296x82.png 296w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-3.png 1222w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><h2 class=\"wp-block-heading\">2 Die Regelungspunkte<\/h2><p>Seit der Fassung der Incoterms&reg;&nbsp;1990 wird eine Systematik genutzt, nach der jede einzelne Klausel nach stets demselben Aufbau (Regeln&nbsp;A1 bis A10 und B1 bis B10) interpretiert wird. Die damals dreizehn &ndash; in den j&uuml;ngsten Textfassungen der Incoterms&reg; 2010 und 2020 nur noch <strong>elf<\/strong> &ndash; Incoterms-Klauseln werden in je zehn <strong>K&auml;ufer- und Verk&auml;uferpflichten (Incoterms-Regeln)<\/strong> untergliedert und dabei nach einem bestimmten, f&uuml;r jede Klausel beibehaltenen Muster weiter konkretisiert<sup><a data-fnq id=\"fnq12\" href=\"#fn12\">12<\/a><\/sup>.<\/p><p>Die Incoterms&reg;&nbsp;2020 sind &ndash; pro Klausel &ndash; in die folgenden Punkte gegliedert, in denen die Pflichten des Verk&auml;ufers&nbsp;(A) immer den Pflichten des K&auml;ufers&nbsp;(B) gegen&uuml;bergestellt werden:<\/p><figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"680\" src=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4-1024x680.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3042\" srcset=\"https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4-1024x680.png 1024w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4-700x465.png 700w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4-768x510.png 768w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4-628x417.png 628w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4-296x196.png 296w, https:\/\/steuerportal.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Reiser_Abb-4.png 1216w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Die Regelungspunkte im Einzelnen und die Aufteilung zwischen K&auml;ufer und Verk&auml;ufer.<br>(Hinweis: Im Rahmen dieses Beitrags ist lediglich ein &Uuml;berblick m&ouml;glich.)<\/figcaption><\/figure><h3 class=\"wp-block-heading\">2.1 A1\/B1 Allgemeine Verpflichtungen                <\/h3><p>Diese Klausel lautet f&uuml;r alle elf Klauseln jeweils f&uuml;r den Verk&auml;ufer und den K&auml;ufer                   identisch<sup><a data-fnq id=\"fnq13\" href=\"#fn13\">13<\/a><\/sup>. Sie stellt lediglich die allgemeinen Verpflichtungen eines Kaufgesch&auml;ftes nochmals klar: Der Verk&auml;ufer muss die Ware und die Rechnung vereinbarungsgem&auml;ss und handels&uuml;blich bereitstellen und der K&auml;ufer daf&uuml;r den vereinbarten Preis bezahlen. Eine Erg&auml;nzung gibt es hier seit den Incoterms&reg;&nbsp;2010, indem die erforderlichen Papiere ggf. auch elektronisch zur Verf&uuml;gung gestellt werden k&ouml;nnen, wenn dies m&ouml;glich und &uuml;blich ist.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.2 A2\/B2 Lieferung\/&Uuml;bernahme                <\/h3><p>Der Regelungspunkt&nbsp;2, Lieferung und &Uuml;bernahme<sup><a data-fnq id=\"fnq14\" href=\"#fn14\">14<\/a><\/sup>, bildet einen der wichtigsten Punkte der Incoterms&reg;. Der Regelungspunkt beschreibt f&uuml;r jede Klausel, was der Verk&auml;ufer tun muss, um die Ware vereinbarungsgem&auml;ss zu liefern,                   und h&auml;lt die &Uuml;bernahmepflichten des K&auml;ufers fest. Dieser Punkt bildet sozusagen den Dreh- und Angelpunkt der Incoterms&reg;, denn an diesem Punkt scheiden sich in der Regel die Pflichten des Verk&auml;ufers von denen des K&auml;ufers. Insbesondere aus diesem Grund hat dieser Punkt zusammen mit der Gefahrtragung nunmehr eine entsprechend prominente Stelle im Regelungsgef&uuml;ge bekommen, direkt nach den Allgemeinen Verpflichtungen an zweiter Stelle.<\/p><p><strong><em>Gruppe&nbsp;E: EXW\/Abholklausel<\/em><\/strong>                   <\/p><p>Der Verk&auml;ufer stellt die Ware am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit zur Verf&uuml;gung. Die Ware wird nicht vom Verk&auml;ufer auf das abholende Bef&ouml;rderungsmittel verladen. Dies ist bereits Aufgabe des K&auml;ufers, der die Ware am vereinbarten Ort zur vereinbarten Zeit abholen muss.<\/p><p>Es empfiehlt sich, den vereinbarten Ort so genau wie m&ouml;glich zu bezeichnen. Kommen mehrere Stellen in Betracht, die gemeint sein k&ouml;nnen, kann der Verk&auml;ufer sich die geeignete Stelle aussuchen, an der er die Ware bereitstellt. <em>Der genaue Abholort ist oft Anlass von Streitigkeiten, die sich durch pr&auml;zisere Bezeichnungen vermeiden liessen.<\/em><\/p><p><em><strong>Gruppe&nbsp;F: FCA\/FAS\/FOB &ndash; Versendeklauseln<\/strong>   <\/em>                <\/p><p>Hier geht die Verpflichtung des Verk&auml;ufers im Vergleich zur Gruppe&nbsp;E schon etwas weiter: Der Verk&auml;ufer muss die Ware vereinbarungsgem&auml;ss entweder auf das vom K&auml;ufer bereitgestellte Transportmittel laden oder sie, falls die &Uuml;bergabe an einem anderen Ort als dem Gel&auml;nde des Verk&auml;ufers stattfindet, dem Frachtf&uuml;hrer des K&auml;ufers auf dem Transportmittel des Verk&auml;ufers entladebereit zur Verf&uuml;gung stellen.<\/p><p>Eine Besonderheit gibt es hier bei der Klausel&nbsp;FAS, die von den andern abweichend vom Verk&auml;ufer spezifisch verlangt, die Ware l&auml;ngsseits des vom K&auml;ufer zu bezeichnenden Schiffes zur Verf&uuml;gung zu stellen.<\/p><p>Die Klausel&nbsp;FOB orientiert sich wiederum an der Grundregel&nbsp;FCA: Der Verk&auml;ufer muss die Ware an Bord des vom K&auml;ufer zu bezeichnenden Schiffes liefern.<\/p><p><strong><em>Gruppe&nbsp;C: CPT\/CIP, CFR\/CIF &ndash; Versendeklauseln<\/em><\/strong>                   <\/p><p>F&uuml;r die Versendeklauseln der Gruppe&nbsp;C gilt das f&uuml;r die Klauseln&nbsp;FCA und FOB Gesagte.<\/p><p><em><strong>Gruppe&nbsp;D: DAP\/DPU\/DDP &ndash; Ankunftsklauseln<\/strong>        <\/em>           <\/p><p>Bei der Vereinbarung einer Ankunftsklausel werden die weitestgehenden Verpflichtungen dem Verk&auml;ufer &uuml;berantwortet: Der Verk&auml;ufer ist im Falle der Klauseln&nbsp;DAP und DDP verpflichtet, die Ware am vereinbarten Ort auf dem ankommenden Bef&ouml;rderungsmittel entladebereit zur Verf&uuml;gung zu stellen. Im Falle DPU ist das Bef&ouml;rderungsmittel sogar noch zu entladen. Insofern ist die Klausel&nbsp;DPU die Klausel mit einer hinsichtlich der Lieferung am weitesten gehenden Verpflichtung des Verk&auml;ufers.<\/p><p>Der Regelungspunkt&nbsp;A2\/B2 &ndash; Lieferung\/&Uuml;bernahme ist, wie bereits gesagt, der Dreh- und Angelpunkt f&uuml;r die Verpflichtungen des Verk&auml;ufers und des K&auml;ufers. Als Faustformel kann man sich merken, dass die meisten Verpflichtungen des Verk&auml;ufers bis zum Lieferpunkt gem&auml;ss A2\/B2, die Verpflichtungen des K&auml;ufers ab dem Lieferpunkt gem&auml;ss A2\/B2 erfolgen. Sich diesen Punkt f&uuml;r die Klauseln zu merken, ist daher essentiell.<\/p><p><em>Hinweis<\/em>: F&uuml;r FCA wurde bei der Neufassung der Incoterms&reg; eine neue Option vorgesehen. Die Vertragsparteien k&ouml;nnen mit dieser vereinbaren, dass gem&auml;ss FCA an einem Containerterminal geliefert wird. Der K&auml;ufer weist in diesem Fall dann seinen Transporteur an, dem Verk&auml;ufer eine &laquo;Bill of Lading&raquo; zu &uuml;bergeben<sup><a data-fnq id=\"fnq15\" href=\"#fn15\">15<\/a><\/sup>. Damit kann der Verk&auml;ufer der Bank diese &laquo;Bill of Lading&raquo; zukommen lassen und so die Zahlung aus dem Dokumentenakkreditiv erhalten. Diese neue Variante bei der FCA-Klausel ist eine zus&auml;tzliche, optionale Wahlm&ouml;glichkeit. Sie ist aber oft erforderlich, da in vielen L&auml;ndern K&auml;ufer sowie Banken noch eine &laquo;On-board Bill of Lading&raquo; vorschreiben. <\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.3 A3\/B3 Gefahr&uuml;bergang                <\/h3><p>Ein weiterer sehr wichtiger Punkt im Rahmen eines Liefergesch&auml;ftes ist der Gefahr&uuml;bergang, also die Stelle, bis zu der der Verk&auml;ufer die Gefahr eines zuf&auml;lligen Untergangs oder einer Verschlechterung der Ware tr&auml;gt und ab der der K&auml;ufer diese Gefahr &uuml;bernimmt.<\/p><p>Der Gefahr&uuml;bergang ist in allen Klauseln gleich beschrieben, meint aber jeweils einen anderen Ort. Der Verk&auml;ufer tr&auml;gt n&auml;mlich grunds&auml;tzlich die Gefahr bis zur Lieferung gem&auml;ss A2. Der K&auml;ufer &uuml;bernimmt die Gefahr ab der &Uuml;bernahme gem&auml;ss B2. Wie oben beschrieben ist dieser Punkt der Lieferung bei jedem Incoterm&reg; verschieden. Als Grundsatz gilt daher, dass der Gefahr&uuml;bergang mit Lieferung gem. A2\/B2 erfolgt<sup><a data-fnq id=\"fnq16\" href=\"#fn16\">16<\/a><\/sup>.<\/p><p>Eine Ausnahme bildet eine Pflichtverletzung durch eine der Parteien. Ist zum Beispiel der Verk&auml;ufer seiner Mitteilungspflicht bei der Klausel EXW, dass die Ware bereitsteht, nicht nachgekommen, so geht die Gefahr trotz Bereitstellung nicht auf den K&auml;ufer &uuml;ber<sup><a data-fnq id=\"fnq17\" href=\"#fn17\">17<\/a><\/sup>.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.4 A9\/B9 Kostentragung                <\/h3><p>Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kostentragung zwischen den Parteien. Warum dieser Punkt nicht direkt im Anschluss an den Gefahr&uuml;bergang seinen Platz in dem Gef&uuml;ge gefunden hat, erschliesst sich uns nicht ganz, weshalb wir diesen Punkt f&uuml;r diesen Beitrag nach oben ziehen.<\/p><p>Die Verteilung der Kosten bildet eine Besonderheit. Denn die Kostenverteilung richtet sich nicht in allen Klauseln nach der Lieferung\/&Uuml;bernahme gem&auml;ss A2\/B2. W&auml;hrend in den Gruppen&nbsp;E, F und D die Kostenverteilung mit der Lieferung einhergeht, bildet die Gruppe C die bereits erw&auml;hnte Ausnahme mit den sogenannten Zweipunktklauseln. Die Kostentragung richtet sich n&auml;mlich nicht vollst&auml;ndig nach der Lieferung\/&Uuml;bergabe an das vom K&auml;ufer bereitgestellte Bef&ouml;rderungsmittel\/Schiff. Die Kosten sind auch nach der Lieferung gem&auml;ss A2 noch teilweise vom Verk&auml;ufer zu tragen<sup><a data-fnq id=\"fnq18\" href=\"#fn18\">18<\/a><\/sup>.<\/p><p>Lieferung\/Gefahrtragung und Kosten&uuml;bergang sind hier also zwei verschiedene Punkte. Der Kosten&uuml;bergang erfolgt nicht an einem Punkt vollst&auml;ndig, sondern aufgesplittet.<\/p><p>Sofern C-Klauseln Verwendung finden, sollte dieser Punkt sehr sorgf&auml;ltig beachtet                   werden.<\/p><h4 class=\"wp-block-heading\"><em>2.4.1<\/em> <em>Incoterms&reg; und Zollwert<\/em><\/h4><p>Anders als in der Schweiz basiert die Berechnung des Zolls in den meisten Zollgebieten auf dem (Zoll-)Wert einer Ware. Bei der Berechnung des Zollwertes ist im Rahmen der am h&auml;ufigsten verwendeten Transaktionswertmethode der Wert der Ware an der Grenze zu berechnen. Zum Wert der Ware z&auml;hlen zum Beispiel alle Transport- und Versicherungskosten bis zur Grenze. Sie sind dem Rechnungswert hinzuzurechnen, sofern sie noch nicht enthalten sind. Ob diese Kosten bereits im Rechnungswert enthalten sind, wird regelm&auml;ssig anhand des Incoterms&reg;, der auf der zur Verzollung verwendeten Rechnung steht, ermittelt.                   Denn der Incoterm&reg; regelt ja grunds&auml;tzlich auch die Kostentragung. Bei Verwendung der Klauseln der Gruppen E und F werden daher regelm&auml;ssig Kosten ab dem Abgangsland f&uuml;r Transport und Versicherung hinzugerechnet. Es sollte daher sichergestellt werden, dass der auf der Rechnung angezeigte Incoterm&reg; der tats&auml;chlich verwendete ist und die Kosten auch entsprechend enthalten oder nicht enthalten sind. Wird hiervon abgewichen, ist dringend zu empfehlen, einen entsprechenden Prozess einzurichten, damit die Zollwertermittlung korrekt erfolgen kann. <\/p><p>Sofern die Klauseln der Gruppe&nbsp;C oder D verwendet werden, k&ouml;nnen hingegen die Transportkosten ab der Grenze abgezogen werden. Dies muss aber gesondert ausgewiesen und nachgewiesen werden. <\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.5 A4\/B4 Transport                <\/h3><p>Dieser Regelungspunkt richtet sich grunds&auml;tzlich ebenfalls an der Lieferung gem&auml;ss A2\/B2 aus<sup><a data-fnq id=\"fnq19\" href=\"#fn19\">19<\/a><\/sup>. Der Verk&auml;ufer hat in den F&auml;llen der Gruppen&nbsp;E und F keine Verpflichtung, einen Bef&ouml;rderungsvertrag abzuschliessen, in den F&auml;llen der Gruppe&nbsp;D schliesst er den Bef&ouml;rderungsvertrag. Der K&auml;ufer schliesst in den F&auml;llen der Gruppen E und F einen Bef&ouml;rderungsvertrag zur Abholung am vereinbarten Lieferort. Es trifft ihn jedoch hierzu keine Verpflichtung. Schliesst er keinen Bef&ouml;rderungsvertrag und holt er die Ware nicht vereinbarungsgem&auml;ss ab, treffen                   ihn die Folgen des ausserordentlichen Gefahr&uuml;bergangs.<\/p><p>Im Falle der Gruppe&nbsp;C muss der Verk&auml;ufer einen Bef&ouml;rderungsvertrag bis zum benannten Bestimmungsort abschliessen, also &uuml;ber den Lieferpunkt gem&auml;ss A2\/B2 hinaus. Auch hier kommt wieder die Besonderheit der Zweipunktklauseln zum Ausdruck.<\/p><h4 class=\"wp-block-heading\"><em>2.5.1 Incoterms&reg; und Umsatzsteuer: Reihengesch&auml;fte<\/em><\/h4><p>Besondere Sorgfalt ist aus diesem Regelungspunkt heraus bei den sog. umsatzsteuerlichen Reihengesch&auml;ften in der Europ&auml;ischen Union und hier insbesondere in Deutschland geboten. Die Finanzverwaltung kn&uuml;pft regelm&auml;ssig an den zwischen den Parteien vereinbarten und verwendeten Incoterm&reg; an, um festzustellen, welche Partei den Transport organisiert hat. Diese Frage entscheidet letztendlich auch dar&uuml;ber, welche Lieferung im Reihengesch&auml;ft die steuerbefreite und welche Lieferung steuerpflichtig ist. Ob sich an dieser Auslegung aufgrund der zum 1.&nbsp;Januar 2020 in Kraft getretenen Regelungen der sog. &laquo;Quick fixes&raquo;                   etwas &auml;ndern wird, bleibt abzuwarten.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.6 A5\/B5 Versicherung                <\/h3><p>Grunds&auml;tzlich gibt es weder f&uuml;r den Verk&auml;ufer noch f&uuml;r den K&auml;ufer eine Verpflichtung<sup><a data-fnq id=\"fnq20\" href=\"#fn20\">20<\/a><\/sup>, eine Versicherung abzuschliessen. Da jede Seite bis zur Lieferung\/&Uuml;bernahme gem&auml;ss A2\/B2 jeweils die Gefahr und die Kosten tr&auml;gt, bleibt es jeder Seite selbst &uuml;berlassen, sich gegen den Eintritt eines entsprechenden Schadensereignisses durch einen Versicherungsvertrag abzusichern.<\/p><p>Anders sieht es bei den Klauseln der Gruppe&nbsp;C aus. Hier fallen Lieferung\/Gefahr&uuml;bergang auf der einen Seite und Kostentragung\/Transport auf der anderen Seite auseinander. Der Verk&auml;ufer tr&auml;gt also noch Kosten der Lieferung und organisiert den Transport, obwohl er nicht mehr die Gefahr f&uuml;r den Untergang oder die Verschlechterung der Ware tr&auml;gt.<\/p><p>An den als &laquo;Institute Cargo Clauses&raquo; bezeichneten Transportversicherungsbedingungen der IUA (International Underwriting Association of London) richten sich weltweit fast alle Transportversicherungen aus. Diese unterscheiden grunds&auml;tzlich drei Versicherungsklauseln: Die Institute Cargo Clauses (C) bieten lediglich einen Mindestversicherungsschutz gegen ausdr&uuml;cklich vordefinierte Schadensf&auml;lle, die Institute Cargo Clauses (B) umfassen zus&auml;tzliche Abdeckung f&uuml;r weitere Ereignisse und die Institute Cargo Clauses (A) bieten wiederum den h&ouml;chsten Versicherungsschutz und decken alle Risiken mit ab (&laquo;All Risks&raquo;). Zumindest dann, wenn diese nicht ausdr&uuml;cklich in den Ausschl&uuml;ssen aufgef&uuml;hrt werden.<\/p><p>Diese g&auml;ngige Praxis im Versicherungsschutz ber&uuml;cksichtigen die Incoterms&reg; 2020 in den Klauseln&nbsp;CIP (Frachtfrei versichert) sowie CIF (Kosten, Versicherung und Fracht)<sup><a data-fnq id=\"fnq21\" href=\"#fn21\">21<\/a><\/sup>. Bei CIF wird die bisherige Regelung mit der Standardposition der Institute Cargo Clauses (C) beibehalten. Bei der Klausel&nbsp;CIP ist der Verk&auml;ufer fortan f&uuml;r den Versicherungsschutz entsprechend Institute Cargo Clauses (A) verantwortlich. Bei beiden Klauseln steht es den Parteien offen, sich auch auf eine geringere bzw. h&ouml;here Deckungsh&ouml;he der Versicherung zu einigen. <\/p><h4 class=\"wp-block-heading\"><em>2.6.1 Incoterms&reg; und Zollwert <\/em><\/h4><p>Auch an dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die Versicherungskosten Teil des Zollwertes sind und hinzugerechnet werden m&uuml;ssen, sofern sie nicht bereits im Preis enthalten sind.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.7 A6\/B6 Liefer-\/Transportdokument                <\/h3><p>Dieser Punkt verpflichtet die Vertragsparteien, sich gegenseitig die vereinbarten                   und &uuml;blichen Liefer- und Transportdokumente zu verschaffen<sup><a data-fnq id=\"fnq22\" href=\"#fn22\">22<\/a><\/sup>. <\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.8 A7\/B7 Ausfuhr-\/Einfuhrabfertigung                <\/h3><p>Diese Klausel betrifft sowohl die Ausfuhr aus dem Abgangsland als auch die Durchfuhr und die Einfuhr in das Bestimmungsland. Im Wesentlichen richtet sie sich nach der Lieferung gem&auml;ss A2\/B2 aus. Sie betrifft nicht nur die zollrechtliche Abwicklung, sondern auch ggf. erforderliche Genehmigungen<sup><a data-fnq id=\"fnq23\" href=\"#fn23\">23<\/a><\/sup>.<\/p><p>So hat ggf. der K&auml;ufer im Falle der Gruppe&nbsp;E (EXW) die Ausfuhr, Durchfuhr und Einfuhr selbst durchzuf&uuml;hren und zu bezahlen, der Verk&auml;ufer ist verpflichtet, den K&auml;ufer hierbei zu unterst&uuml;tzen.<\/p><p>Im Falle der Gruppe&nbsp;F oder C ist f&uuml;r die Ausfuhr und ggf. Durchfuhr bis zum vereinbarten &Uuml;bergabepunkt nach A2\/B2 der Verk&auml;ufer zust&auml;ndig. F&uuml;r die Durchfuhr ab dem vereinbarten &Uuml;bergabepunkt und die Einfuhr in das Bestimmungsland ist der K&auml;ufer zust&auml;ndig.<\/p><p>Im Falle der Gruppe&nbsp;D ist f&uuml;r die Einfuhr in das Bestimmungsland in den F&auml;llen der Klauseln&nbsp;DAP und DPU ebenfalls der K&auml;ufer zust&auml;ndig. Im Falle der Klausel&nbsp;DDP ist auch f&uuml;r die Einfuhr der Verk&auml;ufer zust&auml;ndig. <\/p><h4 class=\"wp-block-heading\"><em>2.8.1 Incoterms&reg; im Verh&auml;ltnis zu gesetzlichen Anforderungen <\/em><\/h4><p>Insbesondere bei diesem Regelungspunkt ist es zwingend erforderlich, vor der Wahl der Klausel abzukl&auml;ren, ob die Klausel mit den gesetzlichen Bestimmungen des Ausfuhr- und\/oder Einfuhrlandes &uuml;bereinstimmt. So gibt es in immer mehr Zollgesetzgebungen zwingende Vorschriften, wer Zollanmeldungen vornehmen darf. Immer h&auml;ufiger taucht der Begriff der &laquo;Ans&auml;ssigkeit&raquo; in diesem Zusammenhang auf. Sofern ein nicht ans&auml;ssiges Unternehmen nicht exportieren oder importieren darf, ist es insbesondere fraglich, ob die Klauseln&nbsp;EXW und DDP verwendet werden k&ouml;nnen. Sorgf&auml;ltige Pr&uuml;fung sei hier geraten. <\/p><h4 class=\"wp-block-heading\"><em>2.8.2 Incoterms&reg; und Mehrwertsteuer (DDP &ndash; verzollt, aber unversteuert?) <\/em><\/h4><p>Grunds&auml;tzlich k&ouml;nnen Incoterms&reg; abgewandelt werden, wenn die Vertragsparteien dar&uuml;ber einig sind. Hierbei ist aber besondere Vorsicht geboten. Insbesondere bei der Frage der Einfuhrumsatzsteuer und des Vorsteuerabzugs tauchen hier immer wieder Probleme auf. So sieht zum Beispiel das deutsche Umsatzsteuergesetz vor, dass sich die Regeln f&uuml;r die Einfuhrumsatzsteuer nach dem Zollgesetz richten. Nach dem Unionszollkodex ist der Zollschuldner und damit auch der Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer der Anmelder. Dies ist nicht trennbar, da das Gesetz (Zoll- und Mehrwertsteuergesetz) dies nicht vorsieht. &laquo;Anmelder&raquo; ist eine Person und diese Person ist Zollschuldner und Schuldner der Einfuhrumsatzsteuer. Gleichzeitig schliesst sich daran die Frage, wer zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Das ist nach dem deutschen Umsatzsteuergesetz derjenige, der im Zeitpunkt der Einfuhr die Verf&uuml;gungsmacht &uuml;ber die Ware hatte. Im Falle von DDP, so die Meinung der deutschen Finanzverwaltung, ist dies nicht der Empf&auml;nger, sondern der Absender der Ware, da im Zeitpunkt der Verzollung der Absender die Verf&uuml;gungsmacht &uuml;ber die Ware habe. <\/p><p>Es empfiehlt sich daher dringend, bei der Wahl der Incoterms&reg; auch die gesetzlichen Regelungen der verschiedenen Rechtsgebiete, insbesondere aber des Zoll-, des&nbsp;Aussenwirtschafts- und des Mehrwertsteuerrechts in Betracht zu ziehen. Mit vertraglichen Vereinbarungen k&ouml;nnen zwar, wie im Falle der Reihengesch&auml;fte, Gestaltungsspielr&auml;ume genutzt werden, es ist jedoch auf der anderen Seite Vorsicht geboten, wo eine gesetzliche Regelung nicht durch die Wahl einer bestimmten Klausel aus den Angeln gehoben werden kann.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.9 A8\/B8 Pr&uuml;fung, Verpackung, Kennzeichnung                <\/h3><p>Auch hier ist grunds&auml;tzlich wieder die Lieferung nach A2\/B2 der massgebliche Punkt. Der Verk&auml;ufer muss alle Verpflichtungen bis zu diesem Punkt erf&uuml;llen. F&uuml;r die jeweils andere Partei bestehen Mitwirkungspflichten<sup><a data-fnq id=\"fnq24\" href=\"#fn24\">24<\/a><\/sup>.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">2.10 A10\/B10 Mitteilungspflichten                <\/h3><p>Ebenso verh&auml;lt es sich mit den Mitteilungspflichten. Hier sei insbesondere auf die Mitteilungspflicht des Verk&auml;ufers im Falle der Bereitstellung der Ware im Rahmen der Gruppe&nbsp;E hingewiesen<sup><a data-fnq id=\"fnq25\" href=\"#fn25\">25<\/a><\/sup>.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">3 Fazit<\/h2><p>Incoterms&reg; sind als standardisierte Regelungen im internationalen Handelsgesch&auml;ft n&uuml;tzlich und hilfreich. Sie m&uuml;ssen jedoch sorgf&auml;ltig im Detail ausgew&auml;hlt und anhand bestehender gesetzlicher Regelungen bewertet werden. Die standardm&auml;ssige &Uuml;berarbeitung der Incoterms&reg; durch die ICC und Neuauflage alle zehn Jahre ist ein guter Anlass, sich das Regelwerk einmal wieder vor Augen zu f&uuml;hren und eingeschlichene Gewohnheiten zu &uuml;berpr&uuml;fen.<\/p><div class=\"wp-block-sht-footnotes b-footnotes\">\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fussnoten<\/h2>\n\n\n\n<p id=\"fn1\" class=\"b-footnote\">www.iccwbo.org<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn2\" class=\"b-footnote\">In der Schweiz zu erhalten bei der ICC Switzerland unter www.icc-switzerland.ch<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn3\" class=\"b-footnote\">Zoll Revue 4\/2019<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn4\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the Interantional Chamber of Commerce (ICC), DEU\/ENG Einf&uuml;hrung, 21<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn5\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG Einf&uuml;hrung, 74<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn6\" class=\"b-footnote\">Graf von Bernstorff, Incoterms&reg; 2020, 367<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn7\" class=\"b-footnote\">Piltz\/Bredow, &sect; 2 Die E-Gruppe<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn8\" class=\"b-footnote\">Piltz\/Bredow, &sect; 3 Die F-Gruppe<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn9\" class=\"b-footnote\">Piltz\/Bredow, &sect; 4 Die C-Gruppe<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn10\" class=\"b-footnote\">Piltz\/Bredow, &sect; 5 Die D-Gruppe<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn11\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG Einf&uuml;hrung, 16 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn12\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, Einf&uuml;hrung<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn13\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 143 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn14\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 148 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn15\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 35<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn16\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 152 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn17\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 152 EXW<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn18\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 182 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn19\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 157 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn20\" class=\"b-footnote\"> Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 162 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn21\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, Einf&uuml;hrung, 70.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn22\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 165 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn23\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 170 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn24\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 178 ff.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"fn25\" class=\"b-footnote\">Incoterms&reg; 2020 by the International Chamber of Commerce (ICC) DEU\/ENG, 192<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Incoterms\u00ae 2020, deren Fassung mit Spannung erwartet wurde, sind nun bekannt, und der erste Teil des Beitrags wurde bereits im letzten Heft dargestellt. 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