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Haben Sie auch mal die Nase voll, Daniel Gentsch?

Daniel Gentsch beantwortet im Rendez-vous unsere — nicht unbedingt fachspezifischen — Fragen.

  • 4 Minuten

Name: Daniel Gentsch

Beruf/Position: Partner bei EY, Europe West International Tax and Transaction Services Leader

Familie: Verheiratet mit Nicole, Kinder: Virginia (14 Jahre), Marlon (8 Jahre)

Hobbys: Sport, Tennis

Leben Sie für das Steuerrecht und ist das Steuerrecht Ihre Leidenschaft?

Die Frage regt mich zum Nachdenken an. Ich habe Freude am Steuerrecht, aber ist das eine Leidenschaft? Warum würde ich meinen Beruf dennoch als meine Leidenschaft bezeichnen? Es ist das Erarbeiten von Lösungen für komplexe, über das Steuerrecht hinausgehende Fragestellungen. Vor allem die Zusammenarbeit in internationalen Teams mit verschiedensten Kompetenzen und der daraus resultierende Erfolg sind die Gründe, welche meinen Beruf zu meiner Leidenschaft machen. Zufriedene Kunden und zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind meine Messgrösse für Erfolg.

Haben Sie eine (geheime) Leidenschaft (neben dem Steuerrecht)?

Ich habe meine Kindheit auf dem Tennisplatz verbracht und war bis zum Alter von 16 auf nationaler Ebene bei den Besten dabei. Für eine erfolgreiche Profikarriere fehlte es mir zwar nicht am Willen und Ehrgeiz, aber leider am Talent. Dass bei einer Person alle Attribute zusammenkommen, die notwendig sind, kommt sehr selten vor. Hoffen wir, dass es in unserem kleinen Land weiterhin eine so grosse Anzahl von Tennisspieler/innen geben wird, die es an die Weltspitze schaffen.

Was war Ihr Berufswunsch als Kind – und warum ist nichts daraus geworden?

Sportreporter – ich habe stundenlang Fussballmatches und andere Sportveranstaltungen im Fernsehen ohne Ton geschaut und mit meinem Kommentar unterlegt. Die aus dieser Zeit noch vorhandenen Kassetten sind legendär (Anm. der Redaktion für die jüngeren Leser: Kassetten waren früher Tonträger zur elektromagnetischen, analogen Aufzeichnung und Wiedergabe von Tonsignalen).

Was bringt Sie auf die Palme?

Wenn Selbstdarstellung oder Einzelinteressen dem Erreichen von Team- oder Firmenzielen im Wege stehen.

Wo liegt Ihr Sehnsuchtsziel?

Ich liebe Reisen und Städtetrips. Beispielsweise die Japanreise mit meiner Familie werde ich immer in bester Erinnerung behalten und bestimmt werde ich dieses Sehnsuchtsziel mal wieder besuchen. New York ist auch immer wieder fantastisch. Wenn ich mich aber auf ein Sehnsuchtsziel beschränken soll, ist es das Engadin, sowohl im Winter wie auch im Sommer. Für mich ist das Engadin die beste Energiequelle; eine Joggingrunde um den St. Moritzersee oder der Blick von der Segantinihütte auf die Seenplatte sind kaum zu übertreffen.

Wie halten Sie Ihre Motivation im Job hoch?

Die Motivation ergibt sich für mich aus Veränderungen und neuen Herausforderungen. In meinem Aufgabenbereich ergeben sich laufend neue Herausforderungen, spannende steuerliche Fragen oder darüberhinausgehende Geschäftsthemen, welche ich für unsere Kunden oder für unsere Organisation lösen darf. Ich fühle mich jeden Tag gefordert und dies gibt mir laufend neue Motivation. Die grösste Motivation ist jedoch die tägliche intensive Zusammenarbeit mit geschätzten Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und mit unterschiedlichen Fähigkeiten.

Haben Sie auch mal die Nase voll von Ihrer momentanen Tätigkeit?

Das kann vorkommen. Manchmal sind es aber genau diese «Leidensphasen», auf welche man mit Stolz und Genugtuung zurückblickt, nachdem man sie bewältigen konnte.

Wie schalten Sie am Feierabend ab?

Ich kann mich fast immer auf das fokussieren, was ich gerade mache. Dabei hilft mir, dass ich einplane, wann ich ein Thema, welches mich auch emotional beschäftigt, bearbeiten werde. Damit kann ich es mental zur Seite legen und mich voll meiner Freizeitaktivität hingeben. Da ist mein Sohn Marlon wie alle kleinen Kinder das grosse Vorbild – er lebt voll im Hier und Jetzt!

In 10 Jahren wäre ich gern …

In 10 Jahren werde ich voraussichtlich meine Zeit nach EY in Angriff nehmen. Ich hoffe, dass ich dann zurückblicken kann und eine (sorry: Neu-Deutsch) «Legacy» hinterlasse. Es wäre schön, unser Gebäude am Maagplatz zu verlassen und viele Kolleginnen und Kollegen zurückzulassen, die das Gefühl haben, von mir gefordert und gefördert worden zu sein.

Lieber Wein oder ein Bier?

Sehr gerne gute Weine, wobei ich mich in den letzten Jahren auch immer mehr zum Champagnerliebhaber entwickelt habe. Witzig ist, dass ich aufgrund von «gesellschaftlichen Zwängen» jahrelang Bier getrunken habe, obwohl es mir gar nicht schmeckt. Mittlerweile bin ich zur Einsicht gelangt, dass man auch mal in einer Männerrunde als Einziger was anderes bestellen darf.

Wen möchten Sie unbedingt auf ein Feierabendbier treffen?

Ich glaube, ich habe bereits erwähnt, dass ich nicht gerne Bier trinke. Spass beiseite: Leider schaffe ich es äusserst selten auf ein Feierabendbier. Aufgrund des sehr zeitintensiven Jobs liegen Feierabendbiere zeitlich kaum noch drin. Lieber verbringe ich einen freien Abend mit meiner Familie. Auch wenn ich die Zeiten vermisse, wo wir in einem Team jeweils noch bis 22 Uhr am Due Diligence Report oder dem Strukturierungspapier gearbeitet haben und dann gemeinsam noch zum – teilweise auch etwas ausgedehnten – «Feierabendbier» gingen.

Was tun Sie, wenn Ihre Kinder in Ihre Fussstapfen treten wollen?

Ich befürchte, dass das grosse Arbeitspensum und die dauernde Erreichbarkeit für unsere geschätzten Kunden wohl eher abschreckend wirkt auf meine Kinder. Ich möchte meine Kinder unterstützen, ihren eigenen Weg zu gehen, egal wofür sie sich später interessieren werden.

Wofür würden Sie mitten in der Nacht aufstehen?

Nachdem ich meist so kurz nach fünf Uhr aufstehe, wäre das wohl fünfmal pro Woche mein Beruf.

Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen (nicht mehr als drei Dinge)?

Alle meine geschätzten Familienmitglieder und Freunde, einen hervorragenden Koch und eine Musikanlage. Ich bin mir bewusst, dass ich damit den Begriff ‹Dinge› etwas weit auslege.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Ich lese sehr gerne und meist parallel verschiedene Bücher. Momentan sind es drei: GRM von Sibylle Berg, The Leading Brain von Friederike Fabritius und Commentary to the Global Anti-Base Erosion Model Rules (Pillar Two). Eines dieser drei überzeugt mich leider überhaupt nicht…

Haben Sie ein Vorbild?

Nein, – oder anders gesagt: sehr viele. Ich hatte und habe das Privileg, mit sehr vielen, sehr interessanten und erfolgreichen Personen in der Schweiz und international zusammenarbeiten zu dürfen. Auch im privaten Freundeskreis gibt es viele Vorbilder. Dies sind Kunden, Vorgesetzte und Kollegen innerhalb und ausserhalb EY. Ich habe Menschen gerne und beobachte. Meine Beobachtungen dienen mir zur Selbstreflexion.