Das Steuerrecht auf einen Blick

AIA in der Schweiz in Kraft getreten: Was nun?

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Philipp Zünd, KPMG Schweiz

Der Automatische Informationsaustausch (AIA) ist in der Schweiz am 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Entsprechend wird die Schweiz im September 2018 zum ersten Mal Daten mit den Mitgliedsstaaten der EU, Australien, Guernsey, Insel Man, Island, Japan, Jersey, Kanada, Norwegen und Südkorea betreffend das Jahr 2017 austauschen. 2019 wird die Schweiz mit voraussichtlich mindestens 41 weiteren Staaten Daten betreffend das Jahr 2018 austauschen. Doch was heisst das konkret?

Wer wird gemeldet?

Betroffen sind die Personen, die direkt ein Konto bei einem Schweizer Finanzinstitut halten oder als Begünstigter, Settlor, Protektor und dergleichen als beherrschende Person einer passiven NFE (Non-Financial Entity, z.B. Trust, Stiftung oder Sitzgesellschaft) qualifizieren. Zu melden sind sämtliche Personen mit Wohnsitz oder Sitz in einem AIA-Partnerstaat der Schweiz. Dabei wird die Schweiz bereits 2019 betreffend das Jahr 2018 Daten mit wohl mehr als 80 Staaten austauschen: Übersicht in grafischer Form

Was wird gemeldet?

Die zu meldenden Informationen können in folgende drei Kategorien aufgeteilt werden:

  • Die Identifikationsinformationen enthalten Informationen zur Identifikation des Kontoinhabers bzw. der beherrschenden Person wie z.B. Name, Adresse, Steuerdomizil und die Rolle der beherrschenden Person.
  • Zu den Kontoinformationen gehören u.a. die Kontonummer, der Name des meldenden Finanzinstituts und dessen Anschrift.
  • Bei den zu meldenden Finanzinformationen handelt es sich um den Gesamtsaldo zum Ende des Kalenderjahres sowie die Bruttoerträge (Zinsen, Dividenden, sonstige Erträge) und die Bruttoveräusserungserlöse. Betreffend die meldepflichtigen Versicherungspolicen und bei Investmentunternehmen (insbesondere Trusts, Stiftungen und Domizilgesellschaften) erfolgt zusätzlich zur Meldung des Werts, die Meldung sämtlicher Auszahlungen. Selbst wenn ein Konto durch mehrere Personen gehalten wird oder eine Passive NFE mehrere beherrschende Personen hat, sind jeweils für alle Personen die Gesamtbeträge zu melden (z.B. der gesamte Saldo für beide Inhaber eines Gemeinschaftskontos).

Was passiert, wenn nicht steuerehrliche Kunden gemeldet werden?

Für die Meldung unter dem AIA braucht es keine Zustimmung der meldepflichtigen Person. Dementsprechend werden unter dem AIA auch nicht steuerehrliche Personen gemeldet werden. Auch wenn unklar ist, wie die einzelnen Staaten die AIA-Meldungen auswerten, haben nicht steuerehrliche Personen ein hohes Risiko, aufgrund einer solchen Meldung entdeckt zu werden.

Aber auch ein so genanntes „Abschleichen“ vom AIA ist mit hohen Risiken verbunden. Solche Personen können insbesondere von Gruppenanfragen erfasst werden (lesen Sie dazu im Detail: Steuertransparenz bei Gruppenanfragen). Aktuell können bereits über 100 Staaten auf der Grundlage von Doppelbesteuerungsabkommen, Steuerinformationsabkommen oder der OECD Amtshilfekonvention mittels Gruppenanfragen an Daten von Kunden von Schweizer Banken, Versicherungen aber z.B. auch Treuhandgesellschaften kommen.

Nicht steuerehrliche Personen müssen sich somit baldmöglichst im Detail mit den Möglichkeiten der Offenlegung der nicht deklarierten Vermögenswerte und Erträge auseinandersetzen.

Werden auch Personen mit Wohnsitz in der Schweiz vom AIA erfasst?

Personen mit Wohnsitz in der Schweiz werden vom AIA erfasst, wenn diese ein Konto bei einem Finanzinstitut in einem AIA-Partnerstaat der Schweiz haben. So wird beispielsweise eine Person mit Wohnsitz in Bern mit einem Konto bei einer Bank in München bereits im Jahr 2018 betreffend das Jahr 2017 an die Eidgenössische Steuerverwaltung gemeldet. Wenn diese Person dann auch noch Begünstigter einer liechtensteinischen Stiftung mit Konto bei einer Schweizer Bank ist, würde diese Person durch die Stiftung selber gemeldet, wenn die Stiftung als Investmentunternehmen qualifizieren würde (lesen Sie dazu: Wer wird vom AIA erfasst?). Diese Meldung würde jedoch erst im Jahr 2019 betreffend das Jahr 2018 erfolgen, da der AIA zwischen der Schweiz und Liechtenstein erst 2018 in Kraft treten wird.

Somit sollten sich auch diese nicht steuerehrlichen Personen mit Wohnsitz in der Schweiz mit der Einreichung einer straflosen Selbstanzeige auseinandersetzen. Dabei sind einzig Nachsteuern und Verzugszinsen – aber keine Bussen – für die letzten 10 Jahre geschuldet. Im Falle eines Entdeckens durch die Schweizer Steuerverwaltung wären demgegenüber Bussen bis maximal zum Dreifachen der Nachsteuern möglich.

Fazit

Mit dem Inkrafttreten des AIA ist die Schweiz im Zeitalter der internationalen Steuertransparenz angekommen. Da es somit praktisch unmöglich geworden ist, nicht deklarierte Vermögenswerte weiterhin im Ausland zu halten, müssen nicht steuerehrliche Kunden baldmöglichst eine Selbstanzeige einreichen. Dies betrifft auch Personen mit Wohnsitz in der Schweiz mit ausländischen Konten. Aber auch steuerehrliche Kunden sollten sich im Detail mit dem AIA befassen. So kann es allenfalls angebracht sein, den Fiskus vorgängig über eine AIA-Meldung zu informieren, wenn beispielsweise im entsprechenden Staat, der der Meldung unterliegende Sachverhalt (z.B. Begünstigung an einer diskretionären Stiftung) gar nicht in der Steuererklärung deklariert werden muss. So kann allenfalls eine aufwändige Steuerprüfung vermieden werden.



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Philipp Zünd
Attorney-at-Law and certified tax expert
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